JP & Stephy – die aufstrebenden Kizombastars. Ihr Terminkalender ist voll, über ein Jahr im Voraus müssen Veranstalter anfragen, wenn sie als Lehrer gebucht werden sollen. Was die beiden über Kizomba zu erzählen haben und ihre Sicht auf die Szene, erfahrt ihr in unserem Interview bei Afromoves‘ Noite de Kizomba.

Ein Interview von Silvia Stevens

Worum geht es für euch beim Kizomba?

Es dreht sich alles um “Connection“. Die Verbindung beim Kizomba ist wichtig und wir glauben, dass Tänzer gerade wegen dieser Verbindung zu anderen Menschen Kizomba lieben.

Was ist euch beim Unterrichten am Wichtigsten?

Wir finden es seltsam, dass oftmals sehr technisch getanzt wird. Für uns ist am wichtigsten, die Grundlagen zu beherrschen. Dann kannst du spielen, variieren und Kizomba wirklich wertschätzen. Darum konzentrieren wir uns auf Grundlagen. Natürlich geht es auch um Musikalität, aber es ist unmöglich mit der Musik zu spielen, wenn die Grundlagen nicht sitzen. Nur dann ist der Tanz für den Partner angenehm. Was sind die Grundlagen? Im traditionellen Kizomba sind die Grundlagen Ginga, Saidas, die Grundschritte und Connection. In Urban Kiz braucht man kein Ginga, aber die Grundschritte und Connection.

Ihr tanzt eine Fusion aus Tango und Kizomba. Welchen Tanz habt ihr zuerst gelernt?

Wir haben zuerst Kizomba, dann Tango gelernt. In unserer Fusion der beiden Tänze konzentrieren wir uns auf Kizomba und fügen nur einige Tangoelemente hinzu. Ziel ist nicht, Tango und Kizomba gleichzeitig zu tanzen, sondern Kizomba mit einem anderen Einfluss zu tanzen.

Ihr habt Wettbewerbe gewonnen. Erzählt uns davon!

Ja, wir nehmen gern an Wettbewerben teil.  Wir haben zum Beispiel am Urban Kiz Wettbewerb in Lyon teilgenommen und 2017 an den Olympiades of Kizomba. Bereits 2016 haben wir teilgenommen, aber verloren,  2017 haben wir dann in zwei Kategorien gewonnen: Urban Kiz und Sensual. Dieses Jahr haben wir wieder an den Olympiades of Kizomba teilgenommen und haben die Sensual Kategorie gewonnen und den zweiten Platz in der Urban Kiz Kategorie erreicht.

JP & Stephy Kizomba dancer. foto: JP & Stephy

Ist es wichtig für euch, Wettbewerbe zu gewinnen? Nehmt ihr teil, um bekannter zu werden?

Ja, wir halten es für sehr wichtig, an Wettbewerben teilzunehmen. In erster Linie jedoch für unsere eigene Weiterentwicklung. Wer an Wettbewerben teilnimmt, muss sich schon allein aufgrund des Drucks verbessern. Dreimal haben wir teilgenommen und jedes Mal versucht, anders zu sein als im Vorjahr. Und natürlich muss man bekannt sein, wenn man auf der ganzen Welt unterrichten will. Die Teilnahme an Wettbewerben hilft dabei.

Ihr tanzt einen ganz besonderen Kizomba Stil. Wer oder was hat euch inspiriert?

Für uns ist die Inspiration anderer Kizomba Lehrer wichtig. Deshalb nehmen wir immer noch am Unterricht anderer teil, auch wenn wir selbst internationale Lehrer sind. Wenn wir den Stil eines Lehrers mögen, wollen wir ihn lernen und wir besuchen ihre Kurse. Und natürlich lernen wir Tango, was uns erlaubt, diese Fusion aus den Tänzen zu kreieren. Auch beim Tango war es für uns wichtig, die Grundlagen zu beherrschen, um eine gute Mischung zwischen Urban Kiz und Tango zu kreieren.

Ihr reist sehr viel! Wie könnt ihr das mit eurem Privatleben vereinbaren?

Wir haben keinen ‚normalen‘ Job, wir leben von Kizomba. Es bedeutet uns sehr viel. Für uns ist es ein Geschenk und wir sind wirklich glücklich, das zu tun, was wir tun. Und weil die Leute uns so viel Liebe entgegenbringen, versuchen wir uns immer weiter zu verbessern. Am Ende des Jahres haben wir zwei Wochen Urlaub ohne Kizomba. Manchmal ist es wichtig, sich zu entspannen und etwas anderes zu tun. Auch während der Woche ist es wichtig, etwas anderes zu tun. Kizomba ist großartig, aber du musst ein normales Leben führen, auch wenn du Tanzlehrer bist.

Was macht eurer Meinung nach einen guten Kizomba-Tänzer aus?

Ein guter Kizomba-Tänzer legt für uns viel Wert auf Connection. Wir brauchen keine komplexen Figuren. Eine gute Verbindung zueinander reicht aus. Leider verschwindet der Fokus auf die Connection immer mehr aus der Kizomba-Szene. Selbst wenn du Urban Kiz tanzt, versuche zuerst, die Connection zu deinem Partner aufzubauen. Beginne mit einfachen Moves und wenn du dann fühlst, dass dein Partner mehr kann, kannst du mehr machen. Aber die Verbindung muss zuerst da sein.

Was denkt ihr über die Entwicklung der Kizombaszene?

Für uns ist es wichtig, die Ursprünge zu respektieren. Natürlich entwickelt sich der Tanz. Das ist normal, weil sich auch die Musik entwickelt. Aber wir müssen respektieren, was vorher gemacht wurde, die Lehrer, die vor uns unterrichtet haben und wir sollten versuchen, das Ursprüngliche zu lernen. Wir verstehen die Leute nicht, die nur Urban Kiz tanzen. Wir wissen, dass es schwierig ist, Kizomba zu lernen, wenn man mit Urban anfängt. Aber versucht es zu lernen und ihr werdet die Szene anders sehen. Es ist wichtig, alles zu kennen und zu tanzen und keine getrennten Welten zu schaffen. Jetzt haben sich schon fast zwei getrennte Szenen gebildet, die traditionelle und die Urban Kiz Szene und sie vereinen sich nicht mehr. Zuvor war es möglich, Events an einem Ort mit allen Stilen durchzuführen. Jetzt brauchst du immer zwei Räume für zwei Stile, weil die Leute einfach nicht beide Stile tanzen können. Das ist sehr schade.

Was brauchen wir eurer Meinung nach in der Kizomba-Szene? Was vermissen wir?

Wir müssen unseren Unterrichtsstil in der Szene ändern. Wir verstehen schon, dass die Leute in den Workshops immer neue Figuren erwarten, aber es bringt nicht viel, viele neue Schritte zu sehen, wenn sie sie danach nicht richtig anwenden können. Wir müssen uns mehr auf die Grundschritte und Variationen konzentrieren. Wenn wir das tun, werden die Leute das Kizomba Tanzen viel mehr genießen, weil sie wissen werden, wie Kizomba richtig getanzt wird.

 

Vielen Dank JP & Stepy für dieses Interview und wir hoffen, euch bald wieder in Deutschland zu sehen!

1 Antwort
  1. Chris Munz
    Chris Munz sagte:

    Ein sehr schönes Interview. Die 2 haben und zeigen Tiefgang – für mich ist dies vor allem an den Kommentaren zum Unterrichtsstil zu erkennen. Ich hoffe, dieser Artikel wird von vielen gelesen und bewirkt, dass der eine oder andere „Figuren-Jäger“ etwas zur Besinnung kommt 😉
    Jede Schrittkombination wird dann besonders schön, wenn die Grundlagen stimmen, und an denen arbeite ich selbst ständig (…und bin nie ganz zufrieden 😉

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