Er ist einer der  ältesten Hasen was Kizomba in Deutschland betrifft. Musik und Tanz liegt ihm seit Kindestagen im Blut und war stets Teil seines Lebens. Er gründete 2010 die erste reine Kizomba Tanzschule in Deutschland und ging damit voll ins Risiko, denn damals war Kizomba noch sehr unbekannt. Er setzte sich durch, doch es war ein harter Kampf bis heute, wie im Folgenden zu lesen ist…

Der Weg zum Tanz

Tony Gomes und Alena

Tony & Alena

Der gebürtige Angolaner tanzte bereits in Kindestagen, da seine Mutter – ganz im Gegensatz zum Vater – leidenschaftlich gern getanzt hat. Durch vor Ort stationierte kubanische Soldaten, die zur damaligen Zeit Angola unterstützten, kam er erstmals mit Salsa in Berührung und erlernte seine ersten Schritte. Bereits mit 12 Jahren tanzte er  auch Semba und Passada auf einem Konzert und beeindruckte mit seinem Talent den dortigen Bürgermeister. Ein Ansporn für Tony, sich im Bereich Tanz zu vertiefen.

Er erlernte insbesondere Zouk, was dann weitere Elemente wie bspw. kapverdische Elemente aufnahm. So entwickelte sich langsam der Kizomba, was jedoch auf Zouk Musik getanzt wurde. Darüber hinaus wurde damals Kizomba von Bands live eingespielt und aufgenommen, Mixe mit elektronischen Elementen gab es zu dieser Zeit noch nicht. Ebenso wie Mobiltelefone, dennoch wusste jeder, wann und wo ein Konzert oder ähnliches stattfindet. Bereits in Angola war Tony als Deejay tätig mit Kassetten, die mit Bleistiften wieder aufgespult wurden – seine Gage? Eine Flasche Likör!

Kizomba in Deutschland

Bereits 1996 kam Kizomba langsam in Deutschland auf. Tony tanzte zu dieser Zeit bereits viel, unter anderem Samba oder auch Lambada-Shows und war bei Tanzschulen bekannt.

Er war hauptsächlich als DJ im damaligen Schützenhaus, im Jaba Daba Du und weiteren Locations unterwegs und legte neben Salsa grundsätzlich auch Kizomba Musik auf und wenn es nur 2-3 Lieder waren. Auch wenn bei 800 Partygästen die Tanzfläche plötzlich leer war sobald Kizomba lief, Tony ließ sich diese Freiheit und ein Stück seiner heimischen Musikkultur nicht nehmen, obwohl er von den Leuten gebeten wurde kein Kizomba zu spielen. Sie fanden die Musik zwar toll, aber niemand wusste, wie darauf zu tanzen war. Tony musste viel einstecken. Mit den Beschwerden in diversen Foren über das Spielen seiner Kizombamusik könnte er heute ein dickes Buch schreiben. Er blieb trotzdem hartnäckig und behielt seine Kizombamusik auf Partys bei.

Deutschlands erste Kizombaschule

Anzeige in Tageszeitung im Oktober 1996

Tony wollte unterrichten, allerdings keinen Salsa. Im Oktober 1996 wagte Tony seinen ersten Versuch. Er unterrichtete auch Tae-Kwon-Do in Nürtingen und bot als „Afro-Südamerikanische Tanzschule“ erste Kurse an. Kizomba gegenüber waren die Leute jedoch sehr zurückhaltend. „Der Tanz war ihnen zu eng, die Nähe war nicht gewünscht.“ Mit der Zeit wuchs das Interesse und in Portugal erwachte plötzlich der Kizomba  Boom. Die Africa Dancar Festivals kamen 2007 auf und 2008 und 2009 war Tony selbst dabei.

Mit seiner ersten Tanzpartnerin Alena verfolgte er das Ziel, Kizomba in Deutschland zu unterrichten. Er wollte jedoch eine richtige Unterrichtsstruktur aufbauen und es verständlich vermitteln. Er lernte Petchu in einer Diskothek kennen und bat ihn um Hilfe. Petchu half ihm ein Unterrichtskonzept aufzubauen und wie man Kizomba richtig beibringt. 2010 gründete er „AfroMoves“ und baute die Kizombaschule zusammen mit Alena Stück für Stück auf. Alena war durch ihr Organisationsgeschick ein sehr wichtiger Bestandteil von AfroMoves und hat viel zur Gestaltung AfroMoves‚ beitgetragen. Sie stieg 2013 nach fünf Jahren an Tonys‚ Seite aufgrund gesundheitlicher Probleme aus, zu dieser Zeit war Justy bereits Tonys Schülerin und begann sie als Nachfolgerin vorzubereiten. Privat sind sie liiert und haben einen kleinen Sohn.

Das AfroMoves Team ist über die Jahre gewachsen und besteht inzwischen aus rund 10 Personen. „Ich bin sehr stolz auf das Team und dankbar, dass ich mit so tollen Menschen zusammen arbeiten darf“. Er gibt zu, selbst kein großer Spezialist im Organisieren zu sein, sein Metier ist der Tanz selbst, deshalb ist er sehr dankbar, dass ihm sein Team in dieser Hinsicht den Rücken stärkt und tatkräftig unterstützt.

AfroMoves‘ Angebot

Neben regulären Kursen von Beginner bis zum Master Club gibt es auch immer wieder spezielle Workshops im Angebot. Als Tanzmöglichkeit für Schüler veranstaltet Afromoves jeden Sonntag den KizZonntag im Cafe „myemy“ im Ufa-Palast Stuttgart. Hier kann in gemütlicher Partyatmosphäre getanzt werden und die Woche stimmungsvoll abgeschlossen werden.

Jeden vierten Samstag im Monat findet die große Kizombaparty „Noite de Kizomba“ statt, ebenfalls im „myemy“. Mit wechselnden Gast-DJs und kostenlosten „Just-One“-Workshops im Vorfeld, gehört diese Partyreihe zu den etablierten und großen Kizombapartys im Großraum Stuttgart.

Seit kurzem findet jeden zweiten Samstag im Monat „The Gomes“-Party statt. Tony selbst und sein Sohn Joany – ebenfalls professioneller Tanzlehrer, geben sich hier abwechselnd als DJ die Ehre und sorgen für eine abwechslungsreiche Kizombamusik mitten in Esslingen (in den Räumen von SabroSalsa).

Auch organisierte Tanzreisen nach Portugal in Kooperation mit viaDanza Tanzreisen gehört zum Repertoire von AfroMoves. Zweimal jährlich finden sie im Mai und Oktober statt und beinhalten spezielle Workshops kombiniert mit Urlaubsfeeling.

Das jährliche AfroMoves Kizomba Festival Mitte März bildet das Eventhighlight der Tanzschule und findet im März 2018 schon zum siebten Mal statt.

Diskussion um Traditionell vs. Urban Kizomba

Tony, der von den meisten als traditioneller Kizombatänzer betitelt wird, erklärt uns, dass es im Grunde kein traditionelles Kizomba gebe, sondern fast alles als Fusion zu sehen ist. Richtig traditionell stellt eher den Einzeltanz dar, Paartanz hingegen sei grundsätzlich als moderner Tanz anzusehen. Seit jeher gibt es Entwicklungen beim Tanzen, insbesondere Kizomba und diese sollte man auch zulassen. „Es war notwendig weitere Schritte zu erfinden, um auf der Bühne etwas präsentieren zu können. Viele Figuren gibt es erst, seit die Entwicklung eingesetzt hat. Kizomba ist keine Mode, sondern Kultur.“ Natürlich sollte man die Ursprünge und die traditionellen Ansätze nicht vergessen, aber man sollte Entwicklungen zulassen.

Tipps für Tänzer & Tänzerinnen

Nicht gleich auf Figuren stürzen, erst einmal Gefühl für die Musik entwickeln

Basics ganz hoch ansetzen – sie sind der Grundstock

Mit verschiedenen Partnern tanzen, um flexibel zu werden

Versuchen auf die Musik zu tanzen – Musikalität entwickeln

Frauen müssen versuchen ihren Kopf abzuschalten

Frauen müssen den Fokus auf das Folgen richten, das richtige Erspüren was geführt wird

 

Ehemalige Tanzpartnerin Eva Fischer & Tony Gomes

 

Tony Gomes ist Tänzer aus Leib und Seele. Wir danken ihm für das angenehme Interview und die Einblicke in seine Anfangszeit.

Ein Interview von Silke Wiedenhöft

1 Antwort
  1. Chris Munz
    Chris Munz sagte:

    Liebe Autoren, nicht nur eine gründliche Recherche, auch der sympathische Schreibstil ist ungewöhnlich erfrischend und wohltuend für die Kizomba-Szene, in der sonst viel über oberflächliche, effekthaschende und sprachlich verstümmelte Wort- und Satzfetzen kommuniziert wird.
    Der Bericht über Tony zeigt, wie viel Eigeninitiative und Engagement nötig sind, um etwas Neues in einer „fremden“ Umgebung aufzubauen. Ich hoffe, der Respekt vor dieser Leistung wird nicht vergessen von all den „neu“ hinzugekommenen und mit infizierten Kizombeiras & Kizombeiros.
    Ich jedenfalls freue mich über weitere solche Berichte und Interviews. Vielen Dank 🙂

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