Sunny & Silvija

„Einfache und für jedermann machbare Kizombakombis“ ist das Motto von Sunny & Silvija, die auf dem diesjährigen AfroMoves Kizomba Festival in Ludwigsburg zum ersten Mal zu Gast waren. Wir wollten etwas mehr über die beiden Künstler aus Nürnberg erfahren und haben sie über ihre bisherige Tanzkarriere, ihre Unterrichtsmethodik und ihre zukünftigen Pläne befragt.

„…Kizomba in Paris kennen gelernt…“

Im gemeinsamen Paris-Urlaub 2012 kamen sie erstmals mit Kizomba in Berührung, als sie ein bekanntes Salsa Café besuchten und in schöner Stimmung eine Runde Salsa tanzen wollten. Sunny war zu diesem Zeitpunkt bereits als Salsa- und Bachatalehrer tätig. So unterrichtet er seit 10 Jahren eine Rueda-Gruppe, die auch heute noch besteht und regelmäßig als fest etabliertes Kollektiv zusammen trainiert. Es waren die Anfänge des Kizomba, auf Partys wurde damals zum Großteil Salsa und Bachata gespielt. Als die ersten Kizomba-Songs ertönten und die Kizomberas und Kizomberos loslegten, war Sunny & Silvija sofort klar, diesen sinnlichen Tanz möchten sie erlernen!

„Wir wollten Kizomba erst einmal für uns lernen…“Sunny & Silvija beim Afromoves Kizomba Festival

„Wir wollten Kizomba aber erst einmal nur für uns lernen und unseren eigenen Stil entwickeln bevor wir ans Unterrichten denken.“ In Barcelona haben sie ihre ersten Stunden genommen. Sunny gibt zu, dass er anfangs recht große Schwierigkeiten hatte und kurz davor war, Kizomba wieder an den Nagel zu hängen. Der Ehrgeiz war jedoch zu groß und irgendwann waren die Startschwierigkeiten überwunden, die Bewegungen wurden weicher und der Funke sprang vollends über.

Oktober 2012: Jetzt waren beide soweit, ihren Tanzschülern Anfängerkurse anbieten zu können. Prompt schlugen die Kurse wie eine Bombe ein und sind seither nicht mehr aus dem Programm ihrer Tanzschule wegzudenken. „In den letzten 5 Jahren musste kein einziger Kizombakurs abgesagt werden“ erzählt Sunny stolz und weiß, wie schwer es ist, für einen noch relativ unbekannten Tanz ein Publikum aufzubauen. Inzwischen hat sich Kizomba zur Nummer 1 in der Tanzschule etabliert. In Form von Wochenend-Workshops gibt es fast alle 2 Wochen samstags regelmäßig Beginner- und Aufbaukurse mit einem festgelegten, immer gleichbleibenden Curriculum. Sonntags findet der Intermediate-Advanced Kurs mit offenem Inhalt statt. Neue und wechselnde Kombinationen werden hier nahegebracht, ältere Inhalte wiederholt. Durch den offenen Kursaufbau ist jederzeit ein Quereinstieg möglich. Die Kurse werden so belegt, dass sie allen Tanzschülern gerecht werden können. Silvija macht deutlich, dass insbesondere den Anfängern mehr Zeit und Betreuung gewidmet werden muss; daher ist beiden eine beherrschbare Gruppengröße wichtig.

Kizomba Lounge in Nürnberg? „Wir wurden anfangs belächelt.“

Nach erfolgreicher Einführung regelmäßiger Kizombakurse wollten beide eine regelmäßige Kizomba Practica / Party in Nürnberg aufbauen. Leichter gesagt als getan. Die meisten der ihnen bekannten Latin-DJs vor Ort winkten ab, belächelten sie für ihre Idee. „Kizomba ist in 5 Monaten wieder von der Bildfläche verschwunden“ hörten sie nicht nur einmal. Sunny blieb hartnäckig und fand mit DJ Norb jemanden, der das Projekt unterstützte und sich in die Kizomba Musik einarbeitete. Da für eine reine Kizomba-Party die Anzahl der Teilnehmer in Nürnberg zunächst zu gering war, entschieden sie sich für ein Mischkonzept und riefen die Kizombachata-Lounge im Cafe „OPERA“ mitten im Zentrum von Nürnberg ins Leben. Jeden Sonntag ab 20:30 Uhr erklingen Kizomba und Bachata im Verhältnis 80 : 20 und wenige Salsa-Songs. Das Konzept ging auf, inzwischen besuchen regelmäßig zwischen 60 und 80 Tänzer und Tänzerinnen die sonntägliche Tanzveranstaltung. Unter anderem auch die Cafe-Inhaberin selbst, die erst durch dieses Projekt mit diesen Tanzstilen in Berührung kam und zwischenzeitlich eine begeisterte Teilnehmerin der Veranstaltung ist.

„Workshop – Teilnehmer kommen teilweise von 400 Kilometern Entfernung“

Die Workshops von Sunny & Silvija locken Besucher von bis zu 400 Kilometer Entfernung an, welche oftmals gleich ein ganzes Wochenende bleiben. Einige nutzen am Samstag die Gelegenheit die Basics nochmals aufzufrischen, bevor sie den eigentlichen Spezial-Workshop besuchen. Sunny & Silvija legen großen Wert auf gute Didaktik des Unterrichts. „Unser Ziel sind beherrschbare und für jedermann tanzbare Kombinationen, die mit jeder -auch fremden- Tänzerin getanzt werden können“ erzählt uns Sunny, der wenig von Figuren hält, die nur um zu beeindrucken extra schwierig aufgebaut sind. Das Motto lautet „Weniger ist mehr“. Die Teilnehmer sollen mit einem guten Gefühl aus den Workshops mit der Fähigkeit gehen, das Gelernte später auch umsetzen zu können. Dieses Konzept hat Erfolg und ist mitunter ein Grund dafür, dass ihre Workshops von bis zu 120 Personen besucht werden.

Festivals hauptsächlich in Deutschland

Ihre ersten Bookings auf Festivals erhielten Sunny & Silvija 2013 auf dem Salsa Kongress in Innsbruck sowie auf Lanzarote. Seitdem sind sie regelmäßig als Tanzlehrer auf Festivals unterwegs – vorrangig jedoch in Deutschland. Eine internationale Tanzkarriere streben die beiden nicht an und halten ihr Engagement ganz bewusst in Grenzen. Beide üben hauptberuflich andere Tätigkeiten aus. „Der Spaß steht bei uns an erster Stelle. Das Tanzen soll für uns nach wie vor ein Hobby bleiben und keinen Arbeitscharakter erhalten“ erklärt uns Silvija. Und genau diese Lust aufs Tanzen merkt man den beiden auch deutlich an, die selbst nach einer durchgetanzten Partynacht und einem Workshop direkt im Vorfeld des Interviews noch ein strahlendes Lächeln für mich übrighaben. Obwohl sie die Tanzkarriere weiterhin „nur“ als Hobby betreiben, werden sie auch zu hochkarätigen Festivals wie dem Euro Dance Festival als Künstler eingeladen. „Das ist eine Ehre für uns und wir sind sehr stolz darauf, bei einem so hochwertigen Festival eingeladen zu sein.“ so Sunny.

Workshop sunny & silvija beim afromoves kizomba festival

Foto by Sunny & Silvija

Auch die Zahl der „Follower“, die den beiden auf Festivals folgen, ehrt die beiden und gibt ihnen die Bestätigung, den richtigen Weg zu gehen. Dass auch beim Afromoves-Festival Teilnehmer dabei waren, die laut der dortigen Organisation nur ihretwegen gekommen seien, zaubert den beiden ein Lächeln ins Gesicht. „Solche Rückmeldungen machen uns natürlich extrem stolz“ schwärmt Silvija.

Eine besondere Präferenz bezüglich der Tanzstile haben die beiden nicht. Beide haben erst traditionelles Kizomba erlernt, Urban Kiz kam später dazu und wird von beiden genauso gerne getanzt. Die Konkurrenz und Streitigkeiten, die zuweilen im Internet zwischen traditional und Urban herrschen, sehen Sunny & Silvija eher relaxed, denn beide Stile haben ihren Reiz und ihre Vorzüge. Beide Tanzstile werden unterrichtet und auf den Festivals bieten Sunny & Silvija eine breite Palette, meist in Abstimmung mit den Bedürfnissen der Festivalorganisatoren.

Kizomba hat sich durchgesetzt und wird nicht wieder verschwinden

Mit einem Schmunzeln sehen Sunny & Silvija die Entwicklung des Kizomba. Entgegen der damaligen Meinung Vieler, Kizomba sei eine Eintagsfliege, hat sich Kizomba in den meisten Ländern Europas durchgesetzt und erlebt einen wahren Boom. Ein solcher hat natürlich auch seine negativen Seiten. Tanzlehrer sprießen derzeit wie Frühlingsgras aus der Erde und nicht jeder gute Tänzer ist gleichzeitig ein guter Lehrer, so Sunny. Auf einem Masterkurs für Tanzlehrer, den beide besuchten, wollte man den Teilnehmern weismachen, dass jeder innerhalb kürzester Zeit ein Kizombalehrer werden kann, dies sei überhaupt kein Problem. Es wurde viel geredet, weniger getanzt und die wenigen Schritte die gezeigt wurden, peitschte man im Eiltempo durch. Das Resultat: frustrierte und verärgerte Teilnehmer, die Geld und Zeit nutzlos investierten. „Diese Lehrer sind inzwischen von der tänzerischen Bildfläche verschwunden“ so Sunny. Der Markt reguliert sich mit der Zeit selbst.

Leider gibt es auch auf den Festivals den ein oder anderen, der auf diesen Trendzug aufspringen und das große Geschäft machen möchte. So kam es schon vor, dass man einen Vertrag erhielt, in welchem sich Künstler verpflichten mussten, eine gewisse Anzahl an Teilnehmern mitzubringen. Auf Rückfrage, ob diese Passage ein Versehen sei, wurde erklärt, man habe ja auch hohe Kosten. „Selbstverständlich machen wir als Künstler dann auch Werbung für die Veranstaltung“ erklärt uns Sunny, jedoch sei es nicht die Aufgabe der Künstler, Teilnehmer zu bringen. Das ist die Aufgabe eines Organisators. Es sollte nicht sein, dass die Künstler die Aufgaben der Organisation übernehmen.

Wo findet ihr Sunny & Silvija in 2017?

2017 waren beide zum ersten Mal zu Gast beim AfroMoves Kizomba Festival und haben in 3 Workshop-Einheiten die Themen „Kizomba – Lead & Following“, „Kizomba Technics“ und „Kizomba Partnerwork“ unterrichtet. Wer die beiden live auf einem Festival erleben und ihre didaktisch hochwertigen Workshops besuchen möchte, hat auf den folgenden Veranstaltungen die Möglichkeit dazu:

Bachateando vom 9. – 11. Juni in Nürnberg

Kizomba Festival Stuttgart vom 2. – 6. November in Stuttgart

Alle Veranstaltungen findet ihr auch in unserem Event-Guide sowie Informationen zur Tanzschule in unserem Kizz-Index.

Unser Fazit: Sunny & Silvija sind zwei sehr sympathische und hochprofessionelle Tanzlehrer mit einer hervorragenden didaktischen Lehrmethode, bei denen der Spaß am Tanzen immer noch an erster Stelle steht. Wer im Nürnberger Raum Kizomba lernen möchte, kann sich völlig bedenkenlos in die Hände von Sunny & Silvija begeben.

Sunny & Silvi Kizombalehrer aus Nürnberg

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