Interview with DJ Radikal from Paris

Blasmusik, Portugal, Hip Hop, Paris, Kizomba – DJ Radikal ist vielseitig, das steht fest. Auch sein Künstlername „Radikal“ überrascht bei seinen eher typisch sanften Klängen. Wir trafen ihn auf der „Noite de Kizomba“ in Stuttgart und bringen Licht hinter seine Vielseitigkeit und erfahren, wie er auf seinen Künstlernamen „Radikal“ kam.

Auftritt Stuttgart

Aus Dortmund, München und natürlich Großraum Stuttgart fanden Kizomberos/as ihren teils weiten Weg nach Stuttgart zur „Noite de Kizomba“, um DJ Radikal live zu erleben.  Mit einem angenehmen Mix aus klassischem und modernem Kizomba sorgte er für eine ausgelassene Stimmung und viele Stunden Tanzvergnügen. Die Gäste dankten es ihm mit einem entsprechenden Applaus. Aber nicht nur als DJ überzeugt Victor Silvestre – und zeigte sich humorvoll und interessiert bei seinem Gastgeber Afromoves. So befragt er uns zur deutschen Kultur und Stuttgart, begleitet von einem zünftigen Weißwurstfrühstück und Blasmusik. Sein Mitschunkeln durften wir leider nicht filmen oder verraten (er hat ja einen Ruf zu verlieren) 😉.

Ursprung im Hip Hop

Als Sohn portugiesischer Eltern wurde DJ Radikal 1974 in Paris geboren. Seine Wurzeln liegen im Hip Hop, für das er eine große Leidenschaft besitzt. 1997 wanderte Radikal in den Süden Portugals aus, um den Spuren seiner Wurzeln nach zu gehen. Als DJ, Produzent und Konzertveranstalter machte er sich einen Namen in der Hip Hop Szene. Daher auch sein Künstlername „Radikal“, inspiriert durch die französische Hip-Hop Zeitschrift „Radikal“.

Kizomba, Kuduro und Semba entdeckte er in Portugal durch Freunde, die ihn in die afrikanischen Clubs mitnahmen. Er war mit einer angolanischen Frau zusammen und hörte nun tagtäglich Kizombamusik. Sein Freundeskreis besteht überwiegend aus Angolanern und Cap Verdianern, was ihm half, nicht nur die portugiesischen sondern auch die kreolischen Texte der Kizomba Songs zu verstehen.

Rückkehr nach Frankreich

2013 als er nach Paris zurückkehrte war Kizomba in Frankreich noch relativ neu und einseitig -sein Ansporn Kizomba zu mixen und aufzulegen. Seitdem ist Radikal aus der Kizombaszene nicht mehr weg zu denken. Ein jeder hat mindestens ein Radikal Song in seinem Repertoire.

Er ist kein hauptberuflicher DJ, dennoch ist es eine sehr zeitintensive Beschäftigung. Es gibt nicht nur die Zeit hinter dem DJ Pult. Neue Musik muss ausgesucht, neue Mixes erstellt und publiziert werden und das alles in hoher Qualität. Mehrere Stunden täglich investiert er hierfür.

Kritisches der DJ Szene

Etwas kritisch sieht er die derzeitige Entwicklung der Szene. Viele „neue“ DJs legen kostenfrei oder für einen Hungerlohn auf, um bekannt zu werden, kostenfrei zu reisen oder um „gesehen“ zu werden. Dies führt zu einem Preisverfall. Der Aufwand steht damit nicht mehr in Relation zur Entlohnung, insbesondere, wenn Wert auf Qualität gelegt wird. Es muss ein Gleichgewicht herrschen zwischen der Leidenschaft Kizomba und dem Business.

Auch die Zahlungsmoral lasse oftmals zu wünschen übrig. Manche Veranstalter großer Festivals (mit hohen Ticketpreisen und Fokus auf Masse), möchten am liebsten nichts oder nur wenig bezahlen und die Veranstalter  kleiner Events sind bereit zu bezahlen und nehmen aber selbst wenig ein.

„Ich kann mich durch meine Arbeit sehr wohl aus der Masse hervorheben“ so Radikal, vor allem durch seine Mixes, Überraschungen und Neuheiten, die er immer wieder präsentiert. Seine Musik wählt er ganz nach Bauchgefühl und eigenem Gusto aus. Selbstverständlich achtet er darauf, was die Gäste möchten. Aber wenn ein Lied keine Emotionen bei ihm auslöst, spielt er es auch nicht. „Die persönliche Leidenschaft muss rüberkommen.“

Entwicklung der Musik

Nach dem Start des Kizomba in Angola in den 90er Jahren, kamen viele Einflüsse aus Cap Verde und einiges wurde auf Kreol gesungen. Lange Zeit galt es in Portugal als „die Musik der Schwarzen“. Erst mit dem ersten portugiesisch produzierten Album startete der Boom und weiße Sänger folgten. Kizomba schwappte nach Paris über. Bis dahin gab es keine Mixes, kein Urban Kiz und kaum Lehrer oder DJs. Das alles entstand erst in den letzten Jahren mit Startpunkt Frankreich und inzwischen ganz Europa. Dies sei auch notwendig, um überleben zu können. „Die Leute wollen einfach immer neuen Input.“

Was letztendlich gefällt ist Geschmackssache. Die Kizomba Entwicklung sieht er positiv und weiterhin interessant und vielseitig. Es gibt schon jetzt viele neue Stile und kreative Neukreationen. Die Ausbreitung nach Asien und Lateinamerika wächst und dadurch wird es weiterhin Neuheiten und Weiterentwicklungen geben.

Radikal: offen und sympathisch, ein Mann, der auch mal etwas kritisch sieht und ausspricht. Nebst aller Kizombathemen, fanden wir auch einige persönliche Details über DJ Radikal raus und finden, dass er eine Bereicherung für die Kizomba Szene ist.

Ein Interview von Eva Fischer

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar