Auf der 4. Kizomba Gala Kassel nahmen sich Vie und Sir J die Zeit, ihre Geschichte, ihre Philosophie und ihre Sicht auf die Kizomba Welt mit uns zu teilen. Erfahrt mehr in unserem Artikel.

Wie Vie, Sir J und Kizomba zueinander fanden

Vie startete ihre Tanzkarriere wie so viele in der Salsa Welt. 10 Jahre unterrichtete sie Salsa in ihrer eigenen Tanzschule in Brüssel. Als sie sich vor 5 Jahren von ihrem Partner trennte, schloss sie die Schule und zog nach Paris. Sie entdeckte Kizomba und unterrichtete dort für ein Jahr mit einem anderen Partner, bis sie Jimmy alias Sir J kennen und lieben lernte. Eine gemeinsame Wohnung und gemeinsamer Unterricht waren die Folge.  Unter der Woche unterrichten sie in einer Tanzschule in einem Vorort von Paris, an Wochenenden unterrichten sie auf Festivals. Sie beschränken ihre Festival-Jobs jedoch auf ein monatliches Engagement, da beide noch ihren Hauptjobs nachgehen. Vie arbeitet als Management Assistent, Jimmy ist in der IT Branche tätig.

Jimmy kommt ursprünglich aus Martinique, wo er seine Kindheit verbrachte. Zouk und karibische Klänge sind ihm von je her im Blut. „Kizomba“ sagt er „ist eine Mischung aus Semba und Zouk.“ Die meisten Leute aus seiner Heimat bleiben ihrem Zouk treu. Er jedoch war offen, etwas Neues zu erlernen und entwickelte seine Begeisterung für Kizomba, worin er Teile seiner Kultur und der Musik aus seiner Heimat wiedererkannte.

Musik liebte Jimmy schon immer. Er startete zunächst den Web-Radiosender FWI Radio für Zouk, Karibische- und Dancehall Musik, den er von 2009 bis 2012 betrieb. Er arbeitete mit 20 lokalen DJs zusammen, die unter anderem durch seinen Sender bekannt wurden und half damit Sängern und DJs ihre internationale Karriere zu starten. Unter ihnen KALASH, E SY KENNENGA, VJ LOU und DJ HALAN.

2011 entdeckte er Kizomba und lernte bei Mike Evans. „Kizomba ist nicht nur ein Tanz für mich. Es ist meine Leidenschaft“, sagt er. „Was ich sofort an Jimmy mochte war, dass er seinen karibischen Stil einfließen lässt, ohne den Ursprung des Kizomba zu verlieren“, so Vie.

Vie & Sir J. Foto: (c)A.Wittstruck

Was ihren Stil ausmacht und was sie vermitteln möchten

Ihr Unterricht ist sehr detailliert, darauf legen sie Wert. Es ist ihnen wichtig, dass die Schüler genau verstehen, wie sie sauber führen und was bei den Ladies ankommen sollte.  Besonders wichtig ist es ihnen, dass die Schüler ihren eigenen Stil finden. Der Tanz sollte nie eine Kopie einer anderen Person sein. „Manchmal sieht man den Tänzern auf der Tanzfläche genau an, von wem sie gelernt haben. Das ist nicht der Sinn des Tanzens“. Ihr Leitmotiv:

  • Höre die Musik
  • Achte auf eine saubere, deutliche Führung /Folgen
  • Bringe deinen eigenen Stil ein

„Wir lieben Kizomba und Kizomba Fusion. Wir unterrichten kein Urban Kiz, sondern klassisches Kizomba mit unserem eigenen Touch.“ Beide legen sehr viel Wert auf Musicality und weniger auf viele Schritte, Figuren oder Shows, um andere zu beeindrucken. „Im Kizomba geht es um den Partner, um das Gefühl und nicht um viele komplizierte Moves. Das versuchen wir in unseren Workshops zu vermitteln.“ Gleichzeitig wissen sie, dass die Kreativität beim Unterrichten wichtig ist, da viele Tänzer immer neue Schritte und Figuren in den Kursen erwarten. Dennoch möchten sie ihre Authentizität dabei nicht verlieren. Das sei nicht einfach, so Sir J. „Wir müssen unsere Balance darin beibehalten. Die Musik verändert sich und auch wir wollen zu allem tanzen und uns bis zu einem gewissen Grad anpassen. Die DJs formen die Szene mit ihrer Musik.“ Essentiell sei jedoch, die Basics zu beherrschen. Es geht beim Kizomba nicht um eine Choreographie. Es geht um eine saubere Führung. Die Leader müssen dazu in der Lage sein, nicht nur im Kurs sondern auch auf der Tanzfläche zu führen.

Rasante Entwicklung und die Challenge der verschiedenen Stile

Der Tanz und die Musik hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt, viele neue Musikstile sind zu hören, was auch den Tanz selbst beeinflusst. In dieser Komplexität sei es wichtig, dass Tänzer die Unterschiede kennen und ihren Tanzstil dem Musikstil anpassen. Viele Lehrer vermitteln heute leider nicht die Unterschiede, was für Anfänger, verwirrend sein kann.

In Vie und Sir J’s Augen gibt es genug Platz für alle Stile und Entwicklungen. Die einzige Gefahr bestehe darin, dass die Entwicklung zu schnell voranschreitet und gleichzeitig zu wenig erklärt wird, dabei könne die Essenz des Kizomba verloren gehen. „Wir versuchen unseren Schülern in unseren Workshops möglichst viele Basics zu erklären, z.B. weiche Bewegungen, schön zur Musik zu tanzen oder kleine Schritte.

Ausblick auf die Zukunft der Szene

Vie und Sir J sehen die Entwicklung etwas kritisch. „Im Moment sehen viele nur die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Im Salsa hat man eine ähnliche Entwicklung gesehen, so lange bis aufgrund des Überangebots die Events schlecht besucht waren. Jetzt verstehen viele, dass sie mit Kooperationen weiterkommen. Im Kizomba wird es ähnlich ablaufen. Jetzt gibt es viel Konkurrenz und Streit, jeder versucht ein Stück des Kuchens zu bekommen. Irgendwann platzt die Blase und dann werden wenige bleiben und diese werden miteinander kooperieren.“

Tipps an die Kizomba Szene

  • Vergesst nicht die Ursprünge des Tanzes
  • Habt eine positive Einstellung, es gibt genug Raum für Kreativität, jeder kann seinen Stil einbringen
  • Bleibt ihr selbst, ihr müsst keine Show abziehen
  • Lehrer: seid ehrlich zu den Schülern

Vie und Sir J:  ein sehr sympathisches, bodenständiges Paar mit dem Herz am rechten Fleck und einer Liebe zu den Ursprüngen des Tanzes, die man immer seltener antrifft.

Vie und Sir J around the world:

  • Salsa Symposium Paris – 26.-29. Oktober 2018
  • Xmas Gala Kassel – 13.-17. Dezember 2018
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