Tato, dies ist das erste Kizomba Festival in Ecuador, und Du (BK Baila Kizomba) und William Matos (Estilo Latino) habt es initiiert. Wie hat alles begonnen?

William und ich trafen uns im Mambo Cafe, einer stadtbekannten Salsathek in Quito – unser Gesprächsthema: Kizomba. Wir unterrichten beide und hatten beschlossen, eine gemeinsame Tanzshow Gruppe ins Leben zu rufen. Als Künstler sind wir auch immer von finanziellen Aspekten abhängig. Dementsprechend kamen Zweifel auf, ob wir überhaupt auf Null raus kommen, als wir über ein Festival nachdachten. Wir riskierten es dennoch und gaben uns vier Monate Zeit, alles zu organisieren – Location und genug gute Lehrer, um die Workshops und Partys über drei Tage anzubieten. Die Pool Party war einer der letzten Punkte auf unserer Liste. Wir wollten das Festival mit einem entspannten letzten Tag beenden, ein wenig im europäischen Stil in einer besonderen Location.

Dann brauchten wir noch einen sprechenden Namen für das Festival. Wir einigten uns auf Kiz’Me, denn es dreht sich alles um Kizomba und um uns – die Tänzer. Wir möchten, dass der Tanz und das Gefühl das er vermittelt in unserem Land Verbreitung findet. In Ecuador und dessen Nachbarländern gibt es noch nicht viele Lehrer, die Kizomba pushen. In unseren Bemühungen wandten wir uns auch an Künstler in nahe gelegenen Ländern wie Kolumbien und Venezuela.

Wie hast Du von Kizomba erfahren und es gelernt? Worin besteht Deine Motivation, es in Südamerika bekannt zu machen?

Ich habe Albir Rojas in Panama kennengelernt und fand großes Interesse an seinem Tanzstil. Ich bewundere auch die Art, wie er Schülern hilft neue Fertigkeiten zu erlangen und Selbstvertrauen aufzubauen. Als Albir nach Spanien zog, um dort Kizomba zu lehren, beschloss ich bei ihm diesen aufregenden, noch kaum bekannten Tanz zu lernen. Also ging ich für zweieinhalb Jahre nach Spanien.

Ich genoss es und verliebte mich in den Tanz. Beim Kizomba empfinde ich eine tiefere Verbindung mit meiner Partnerin als bei jedem anderen mir bekannten Tanz. Die Menschen sollen verstehen, dass es mehr gibt als Salsa und Bachata und dass wir mehr können, als auf 1-2-3 – 5-6-7 zu tanzen sowie eigene Figuren im eigenen Rhythmus und eigener Geschwindigkeit tanzen zu können. Selbstverständlich immer unter respektvoller Einhaltung der Grundlagen.

Kizomba Ecuador Johnny Uday

Du teilst also Deine Leidenschaft mit anderen – hast Du auch die Möglichkeiten im Kopf, die daraus erwachsen, dass Du unter den ersten Kizomba Lehrern hier bist?

Wirtschaftlicher Erfolg ist gut möglich. 100% meiner Arbeitszeit widme ich dem Tanzen. Entsprechend sehe ich es nicht nur als ein Hobby. Was mich am meisten bewegt ist jedoch der Gedanke an die Menschen, die nachkommen. Ich möchte etwas hinterlassen und möchte wissen, dass die Leute die ich beeinflusse den Tanz zukünftig in Ecuador weiterführen.

Wie nehmen Tänzer in Lateinamerika Kizomba wahr?

Hauptsächlich wird es als etwas sehr Sinnliches wahrgenommen. Manche sagen auch Kizomba sei sexy, aber das sind zwei komplett andere Dinge. Es gibt „sexy“, und es gibt „sinnlich“. Vor allem Leute in den Küstenregionen genießen die Sinnlichkeit. Es gibt auch auf anderem Gebiet Verwirrung,  wenn Kizomba als Mischung zwischen Bachata und Tango beschrieben wird. Ich weise dann immer darauf hin, dass das nicht korrekt ist. Kizomba hat seinen eigenen Rhythmus, Percussion und Tempo. Es ist keine Mischung. Es hat seinen eigenen Ursprung in Afrika.

Latinos sehen Kizomba als etwas sehr Erfrischendes für den Körper, etwas Erleichterndes. Die Leute sagen “Wow, ich fühle mich so verbunden mit meinem Partner, so verstanden.” Ich denke in ein bis zwei Jahren wird vermehrt Kizomba in Lateinamerika zu hören sein. Es gibt schon große Projekte, Kizomba in Kolumbien und Argentinien zu promoten und auch in Peru und Venezuela findet es momentan Einzug. Wir Künstler sind in Kontakt und ich habe richtig gutes Feedback erhalten dafür, dass ich die Szene hier unterstütze.

Ich habe das Festival als sehr persönlich erlebt dank Deiner Organisation und dem direkten, freundlichen Kontakt vorab. Kannst Du unseren Lesern vielleicht ein paar Fakten und Zahlen nennen?

Neben mir, Tato Mendez (BK Baila Kizomba), gab es noch weitere drei Künstler: Sol Perez (Kizomba Ibarra), Johnny Uday (Salserios, Quenca) und William Mato (Venezuela).

Das Allan Dee Dance Squad wird nächstes Jahr mit von der Partie sein.

Es gab 33 Workshop Teilnehmer. Auf den Abendpartys hatten wir 70-80 Gäste und ca. 20 Mitarbeiter sowie Showtänzer gezählt. Diese 100 Personen haben das Mambo Cafe perfekt gefüllt.

Unser Hauptziel war es, Kizomba bekannter zu machen, nicht Geld zu machen. Der Full Pass für drei Tage hat nur $24 gekostet, was gerade so unsere Kosten deckte.

Und alle schienen richtig Spaß zu haben…

Absolut! Die Leute waren glücklich und berührt. Wir haben Anfragen erhalten das Festival bitte fortzuführen und nächstes Jahr wieder zu veranstalten. Die positive Energie, die Lehrer und Mitarbeiter verbreitet haben und die schönen Erfahrungen, die Freude sowie neu geschlossene Freundschaften waren großartig und gaben einen kleinen Einblick in die Kizomba Kultur.

Viele der europäischen Festivals sind sehr fokussiert auf Kizomba, oft exklusiv. Ihr habt Euch entschieden, auf den Abendparties Kizomba, Salsa und Bachata zu mischen. Was war der Grund für diese Entscheidung? Glaubst Du Kizomba wird in Lateinamerika auch in der Zukunft stärker gemeinsam mit anderen Tänzen gelebt werden?

Vor einer Weile ging es in Quito nur um Salsa. Bachata stieß nicht auf viel Resonanz. Plötzlich wurde es ein Hype und Bachata und Salsa endeten irgendwann gleichauf. Es besteht eine realistische Chance, dass Kizomba das auch schafft oder vielleicht sogar die Popularität von Bachata übersteigen wird. Doch das können wir heute noch nicht wissen.

Auf dem Festival wollten wir nicht exklusiv sein, da wir viele Salsa und Bachata Tänzer haben, die noch Kizomba Anfänger sind. Wir sind einander sehr aufgeschlossen.

Wie siehst Du die Kizomba Szene in 5 Jahren?

Schon heute kann man hier in Ecuador Kizomba im Radio und Fernsehen hören. Es gibt Dokus über das neue Genre. “Wer ist diese blonde Frau mit den phänomenalen Moves? Lara Lopez. Sie war Balletttänzerin, hat Wettbewerbe mit Albir getanzt und gewonnen und boom!” Ich denke, in fünf Jahren könnte es neben unserem noch viele weitere Festivals geben. Wir laden auch “Asi se Baila Guayaquil” (ein großes Salsa Festival) ein, der Kizomba Community ihre Tore zu öffnen. Wir sind absolut offen und helfen gerne mit Workshops etc.

Wahrscheinlich wird es in fünf Jahren viel mehr Kizomba in ganz Lateinamerika geben. Es gibt Promoter in Kolumbien, Venezuela, Argentinien, Brasilien, Peru…

Habt Ihr Pläne für ein nächstes Festival? Gibt es etwas, das Ihr anders machen würdet?

Ja, es wird ein nächstes Mal geben und zwar Anfang August. Was werden wir anders machen? Ich denke darüber nach, die Sache mit einem Ausflug zum Strand aufzupeppen.

Bis dahin haben wir im November eine Kizomba Party mit dem Motto “ángeles y demonios”.

Tato, es hat mich gefreut, Dich kennenzulernen. Danke für das Interview.

Danke Dir und den Machern von kizzmag.com!

Ein Interview von Klaus

Mehr Informationen über Tato Mendez: Hier

 

 

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