Umfangreicher Kizomba Tanzschul-Guide

Eine eigene Tanzschule, das war schon immer der Traum von Motsi Mabuse – bekannt aus RTL „Let’s dance“.  Am 2. September 2017 wurde aus Traum endlich Realität. Kizomba sollte ein Teil ihres Angebots werden und so holte sie sich mit JD & Chrissi zwei international bekannte Kizombakünstler als Partner. Wir trafen Motsi in ihrer Tanzschule in Eschborn (Frankfurt), sahen uns Tanzschule und Angebot an und berichten im Folgenden.

Interview

Motsi, du warst aktive Standard-Latein-Tänzerin und bist durch RTL „Let’s dance“ weit über die Tanzszene hinaus bekannt geworden. Was hat dich dazu bewogen, eine eigene Tanzschule zu eröffnen?

Das war schon immer mein Ziel. Während unserer aktiven Tanz Zeit waren wir viel unterwegs, sind aufgetreten oder haben trainiert. Aber dabei verdient man nicht wirklich Geld. Ich liebe Tanzen und ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Außerdem wollte ich ein zweites Standbein aufbauen.

Wie war dein Weg zu eigenen Tanzschule? Gab es auch Hindernisse?

Ich habe vor vier Jahren angefangen aktiv zu suchen. Ich hatte viele Probleme, geeignete Räume in Frankfurt zu finden, in denen man allen „tanzgerecht“ werden kann. Das war uns sehr wichtig, denn am heutigen Konzept haben wir lange gearbeitet.

Neben bekannten Standard- und Lateintänzen bietest du auch spezielle Kurse wie West Coast Swing oder Urban Kiz an. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich habe mich in die verschiedenen Tanzrichtungen verliebt. Die machen richtig viel Spaß!

Was gefällt dir an Urban Kiz besonders?

Ich liebe Urban Kiz! Ich habe es vor ein paar Jahren in Südafrika getanzt und habe schon dort gesagt, dass ich das unbedingt in unserer Tanzschule unterrichten möchte.

Bist du selbst auch Kizomba Tänzerin?

Ich bin ein riesen Fan und am Lernen – also ja J

Für Urban Kiz hast du dir zwei international tätige Top Artists als externe Trainer engagiert. Wie seid ihr zusammengekommen?

JD & Chrissi sind auf uns zugekommen, als wir Tanzlehrer gesucht haben. Ich finde beide extrem sympathisch und sehr gute Lehrer.

Was für reguläre Urban Kiz Kurse werden angeboten?

Jeden Dienstag von 19:00 – 20:30 Uhr Beginner und von 20:30 – 22:00 Uhr Fortgeschrittene. Leider können JD & Chrissi nur Dienstags, also haben wir Dienstags immer Kizomba-Abend.

Du veranstaltest monatlich eine Kizomba Party mit bekannten DJs – auf was darf man sich zukünftig noch freuen?

Ich freue mich immer sehr auf diese Partys bei uns. Heute an Halloween haben wir DJ Narc6 zu Gast und am 28. November DJ Lenhy aus Paris.

 

Partyreview – Halloweenparty vom 31.10.2017 mit DJ Narc6

 

Die Tanzschule

Im neunten Stock mitten im Industriegebiet Eschborn befindet sich seit September die “Motsi Mabuse Taunus Tanzschule” und offenbart einen atemberaubenden Rundumblick auf Frankfurt und Umgebung. Besonders nachts, wenn die Lichter im Dunkeln strahlen, möchte man fast lieber aus dem Fenster sehen, als sich auf den momentanen Tanz zu konzentrieren. Zwei große Tanzsäle mit Wandspiegeln, ein tolles Foyer mit großer Bar und Sitzgelegenheiten sowie Garderobenraum bietet die modern eingerichtete Tanzschule, neben einem tollen Blick aufs Detail. So war die komplette Tanzschule halloweengerecht dekoriert und sorgte für eine passende Stimmung. Lediglich die hohen Getränkepreise haben etwas erschreckt, jedoch für eine größere Stadt nicht ungewöhnlich. Ein Cuba Libre liegt bei 7,50 € und eine Cola bei 3,10 €.

Workshop mit JD & Chrissi

JD&Chrissi bei Motsi Mabuse Taunus TanzschuleJD & Chrissi gaben von 20:30 – 21:30 Uhr einen Urban Kiz Workshop im Open Level Stil im Vorfeld der Party. Vertreten waren vom Anfängerlevel bis hin zu fortgeschrittenen Tänzern nahezu alle Niveaus und auch das Verhältnis war mit einem sehr geringen Frauenüberschuss angenehm. Über 50 Personen nahmen am Workshop teil, bevor um 21:30 die offizielle Kizomba Party mit DJ Narc6 begann.

Kizombaparty mit DJ Narc6

Insgesamt über 125 Gäste kamen von überall her: Stuttgart, Heidelberg, Mannheim – ja selbst eine Tänzerin aus Ostfriesland fand ihren Weg zur Motsi Mabuse Kizomba Party. Narc6 spielte einen abwechslungsreichen Mix, von sanften Klängen bis hin zu knackigen Tarraxa-Beats war für alle Geschmäcker etwas Passendes dabei. Er hat ein tolles Händchen für das Publikum und kann seine Musik entsprechend anpassen. Die Stimmung war bis zum Schluss und darüber hinaus familiär und ausgelassen. Ein echtes Wohlfühlprogramm für die Kizomba-Seele. Selbst nach offiziellem Partyende um 1 Uhr wurde fleißig weiter getanzt.

 

Unser Fazit

Eine tolle Tanzschule mit vielfältigem Angebot und festem Kizomba Programm, geführt mit viel Liebe von Motsi und Ehemann Evgenij, die selbst bei den Partys dabei sind. Die Location im obersten Stockwerk des Hochhauses mit atemberaubendem Blick über Frankfurt bietet unfassbar viel Charme. Lehrer und DJ’s sind Profis und die Gäste bringen viel Freude und gute Stimmung mit. Von uns gibt’s alle Daumen hoch. KizzMag kommt gerne wieder.

Nicht verpassen – das nächste Event findet am 28.11.2017 statt mit DJ Lenhy aus Paris.

 

Bildergalerie

 

Partyvideo

Er ist einer der  ältesten Hasen was Kizomba in Deutschland betrifft. Musik und Tanz liegt ihm seit Kindestagen im Blut und war stets Teil seines Lebens. Er gründete 2010 die erste reine Kizomba Tanzschule in Deutschland und ging damit voll ins Risiko, denn damals war Kizomba noch sehr unbekannt. Er setzte sich durch, doch es war ein harter Kampf bis heute, wie im Folgenden zu lesen ist…

Der Weg zum Tanz

Tony Gomes und Alena

Tony & Alena

Der gebürtige Angolaner tanzte bereits in Kindestagen, da seine Mutter – ganz im Gegensatz zum Vater – leidenschaftlich gern getanzt hat. Durch vor Ort stationierte kubanische Soldaten, die zur damaligen Zeit Angola unterstützten, kam er erstmals mit Salsa in Berührung und erlernte seine ersten Schritte. Bereits mit 12 Jahren tanzte er  auch Semba und Passada auf einem Konzert und beeindruckte mit seinem Talent den dortigen Bürgermeister. Ein Ansporn für Tony, sich im Bereich Tanz zu vertiefen.

Er erlernte insbesondere Zouk, was dann weitere Elemente wie bspw. kapverdische Elemente aufnahm. So entwickelte sich langsam der Kizomba, was jedoch auf Zouk Musik getanzt wurde. Darüber hinaus wurde damals Kizomba von Bands live eingespielt und aufgenommen, Mixe mit elektronischen Elementen gab es zu dieser Zeit noch nicht. Ebenso wie Mobiltelefone, dennoch wusste jeder, wann und wo ein Konzert oder ähnliches stattfindet. Bereits in Angola war Tony als Deejay tätig mit Kassetten, die mit Bleistiften wieder aufgespult wurden – seine Gage? Eine Flasche Likör!

Kizomba in Deutschland

Bereits 1996 kam Kizomba langsam in Deutschland auf. Tony tanzte zu dieser Zeit bereits viel, unter anderem Samba oder auch Lambada-Shows und war bei Tanzschulen bekannt.

Er war hauptsächlich als DJ im damaligen Schützenhaus, im Jaba Daba Du und weiteren Locations unterwegs und legte neben Salsa grundsätzlich auch Kizomba Musik auf und wenn es nur 2-3 Lieder waren. Auch wenn bei 800 Partygästen die Tanzfläche plötzlich leer war sobald Kizomba lief, Tony ließ sich diese Freiheit und ein Stück seiner heimischen Musikkultur nicht nehmen, obwohl er von den Leuten gebeten wurde kein Kizomba zu spielen. Sie fanden die Musik zwar toll, aber niemand wusste, wie darauf zu tanzen war. Tony musste viel einstecken. Mit den Beschwerden in diversen Foren über das Spielen seiner Kizombamusik könnte er heute ein dickes Buch schreiben. Er blieb trotzdem hartnäckig und behielt seine Kizombamusik auf Partys bei.

Deutschlands erste Kizombaschule

Anzeige in Tageszeitung im Oktober 1996

Tony wollte unterrichten, allerdings keinen Salsa. Im Oktober 1996 wagte Tony seinen ersten Versuch. Er unterrichtete auch Tae-Kwon-Do in Nürtingen und bot als „Afro-Südamerikanische Tanzschule“ erste Kurse an. Kizomba gegenüber waren die Leute jedoch sehr zurückhaltend. „Der Tanz war ihnen zu eng, die Nähe war nicht gewünscht.“ Mit der Zeit wuchs das Interesse und in Portugal erwachte plötzlich der Kizomba  Boom. Die Africa Dancar Festivals kamen 2007 auf und 2008 und 2009 war Tony selbst dabei.

Mit seiner ersten Tanzpartnerin Alena verfolgte er das Ziel, Kizomba in Deutschland zu unterrichten. Er wollte jedoch eine richtige Unterrichtsstruktur aufbauen und es verständlich vermitteln. Er lernte Petchu in einer Diskothek kennen und bat ihn um Hilfe. Petchu half ihm ein Unterrichtskonzept aufzubauen und wie man Kizomba richtig beibringt. 2010 gründete er „AfroMoves“ und baute die Kizombaschule zusammen mit Alena Stück für Stück auf. Alena war durch ihr Organisationsgeschick ein sehr wichtiger Bestandteil von AfroMoves und hat viel zur Gestaltung AfroMoves‚ beitgetragen. Sie stieg 2013 nach fünf Jahren an Tonys‚ Seite aufgrund gesundheitlicher Probleme aus, zu dieser Zeit war Justy bereits Tonys Schülerin und begann sie als Nachfolgerin vorzubereiten. Privat sind sie liiert und haben einen kleinen Sohn.

Das AfroMoves Team ist über die Jahre gewachsen und besteht inzwischen aus rund 10 Personen. „Ich bin sehr stolz auf das Team und dankbar, dass ich mit so tollen Menschen zusammen arbeiten darf“. Er gibt zu, selbst kein großer Spezialist im Organisieren zu sein, sein Metier ist der Tanz selbst, deshalb ist er sehr dankbar, dass ihm sein Team in dieser Hinsicht den Rücken stärkt und tatkräftig unterstützt.

AfroMoves‘ Angebot

Neben regulären Kursen von Beginner bis zum Master Club gibt es auch immer wieder spezielle Workshops im Angebot. Als Tanzmöglichkeit für Schüler veranstaltet Afromoves jeden Sonntag den KizZonntag im Cafe „myemy“ im Ufa-Palast Stuttgart. Hier kann in gemütlicher Partyatmosphäre getanzt werden und die Woche stimmungsvoll abgeschlossen werden.

Jeden vierten Samstag im Monat findet die große Kizombaparty „Noite de Kizomba“ statt, ebenfalls im „myemy“. Mit wechselnden Gast-DJs und kostenlosten „Just-One“-Workshops im Vorfeld, gehört diese Partyreihe zu den etablierten und großen Kizombapartys im Großraum Stuttgart.

Seit kurzem findet jeden zweiten Samstag im Monat „The Gomes“-Party statt. Tony selbst und sein Sohn Joany – ebenfalls professioneller Tanzlehrer, geben sich hier abwechselnd als DJ die Ehre und sorgen für eine abwechslungsreiche Kizombamusik mitten in Esslingen (in den Räumen von SabroSalsa).

Auch organisierte Tanzreisen nach Portugal in Kooperation mit viaDanza Tanzreisen gehört zum Repertoire von AfroMoves. Zweimal jährlich finden sie im Mai und Oktober statt und beinhalten spezielle Workshops kombiniert mit Urlaubsfeeling.

Das jährliche AfroMoves Kizomba Festival Mitte März bildet das Eventhighlight der Tanzschule und findet im März 2018 schon zum siebten Mal statt.

Diskussion um Traditionell vs. Urban Kizomba

Tony, der von den meisten als traditioneller Kizombatänzer betitelt wird, erklärt uns, dass es im Grunde kein traditionelles Kizomba gebe, sondern fast alles als Fusion zu sehen ist. Richtig traditionell stellt eher den Einzeltanz dar, Paartanz hingegen sei grundsätzlich als moderner Tanz anzusehen. Seit jeher gibt es Entwicklungen beim Tanzen, insbesondere Kizomba und diese sollte man auch zulassen. „Es war notwendig weitere Schritte zu erfinden, um auf der Bühne etwas präsentieren zu können. Viele Figuren gibt es erst, seit die Entwicklung eingesetzt hat. Kizomba ist keine Mode, sondern Kultur.“ Natürlich sollte man die Ursprünge und die traditionellen Ansätze nicht vergessen, aber man sollte Entwicklungen zulassen.

Tipps für Tänzer & Tänzerinnen

Nicht gleich auf Figuren stürzen, erst einmal Gefühl für die Musik entwickeln

Basics ganz hoch ansetzen – sie sind der Grundstock

Mit verschiedenen Partnern tanzen, um flexibel zu werden

Versuchen auf die Musik zu tanzen – Musikalität entwickeln

Frauen müssen versuchen ihren Kopf abzuschalten

Frauen müssen den Fokus auf das Folgen richten, das richtige Erspüren was geführt wird

 

Ehemalige Tanzpartnerin Eva Fischer & Tony Gomes

 

Tony Gomes ist Tänzer aus Leib und Seele. Wir danken ihm für das angenehme Interview und die Einblicke in seine Anfangszeit.

Ein Interview von Silke Wiedenhöft

„Einfache und für jedermann machbare Kizombakombis“ ist das Motto von Sunny & Silvija, die auf dem diesjährigen AfroMoves Kizomba Festival in Ludwigsburg zum ersten Mal zu Gast waren. Wir wollten etwas mehr über die beiden Künstler aus Nürnberg erfahren und haben sie über ihre bisherige Tanzkarriere, ihre Unterrichtsmethodik und ihre zukünftigen Pläne befragt.

„…Kizomba in Paris kennen gelernt…“

Im gemeinsamen Paris-Urlaub 2012 kamen sie erstmals mit Kizomba in Berührung, als sie ein bekanntes Salsa Café besuchten und in schöner Stimmung eine Runde Salsa tanzen wollten. Sunny war zu diesem Zeitpunkt bereits als Salsa- und Bachatalehrer tätig. So unterrichtet er seit 10 Jahren eine Rueda-Gruppe, die auch heute noch besteht und regelmäßig als fest etabliertes Kollektiv zusammen trainiert. Es waren die Anfänge des Kizomba, auf Partys wurde damals zum Großteil Salsa und Bachata gespielt. Als die ersten Kizomba-Songs ertönten und die Kizomberas und Kizomberos loslegten, war Sunny & Silvija sofort klar, diesen sinnlichen Tanz möchten sie erlernen!

„Wir wollten Kizomba erst einmal für uns lernen…“Sunny & Silvija beim Afromoves Kizomba Festival

„Wir wollten Kizomba aber erst einmal nur für uns lernen und unseren eigenen Stil entwickeln bevor wir ans Unterrichten denken.“ In Barcelona haben sie ihre ersten Stunden genommen. Sunny gibt zu, dass er anfangs recht große Schwierigkeiten hatte und kurz davor war, Kizomba wieder an den Nagel zu hängen. Der Ehrgeiz war jedoch zu groß und irgendwann waren die Startschwierigkeiten überwunden, die Bewegungen wurden weicher und der Funke sprang vollends über.

Oktober 2012: Jetzt waren beide soweit, ihren Tanzschülern Anfängerkurse anbieten zu können. Prompt schlugen die Kurse wie eine Bombe ein und sind seither nicht mehr aus dem Programm ihrer Tanzschule wegzudenken. „In den letzten 5 Jahren musste kein einziger Kizombakurs abgesagt werden“ erzählt Sunny stolz und weiß, wie schwer es ist, für einen noch relativ unbekannten Tanz ein Publikum aufzubauen. Inzwischen hat sich Kizomba zur Nummer 1 in der Tanzschule etabliert. In Form von Wochenend-Workshops gibt es fast alle 2 Wochen samstags regelmäßig Beginner- und Aufbaukurse mit einem festgelegten, immer gleichbleibenden Curriculum. Sonntags findet der Intermediate-Advanced Kurs mit offenem Inhalt statt. Neue und wechselnde Kombinationen werden hier nahegebracht, ältere Inhalte wiederholt. Durch den offenen Kursaufbau ist jederzeit ein Quereinstieg möglich. Die Kurse werden so belegt, dass sie allen Tanzschülern gerecht werden können. Silvija macht deutlich, dass insbesondere den Anfängern mehr Zeit und Betreuung gewidmet werden muss; daher ist beiden eine beherrschbare Gruppengröße wichtig.

Kizomba Lounge in Nürnberg? „Wir wurden anfangs belächelt.“

Nach erfolgreicher Einführung regelmäßiger Kizombakurse wollten beide eine regelmäßige Kizomba Practica / Party in Nürnberg aufbauen. Leichter gesagt als getan. Die meisten der ihnen bekannten Latin-DJs vor Ort winkten ab, belächelten sie für ihre Idee. „Kizomba ist in 5 Monaten wieder von der Bildfläche verschwunden“ hörten sie nicht nur einmal. Sunny blieb hartnäckig und fand mit DJ Norb jemanden, der das Projekt unterstützte und sich in die Kizomba Musik einarbeitete. Da für eine reine Kizomba-Party die Anzahl der Teilnehmer in Nürnberg zunächst zu gering war, entschieden sie sich für ein Mischkonzept und riefen die Kizombachata-Lounge im Cafe „OPERA“ mitten im Zentrum von Nürnberg ins Leben. Jeden Sonntag ab 20:30 Uhr erklingen Kizomba und Bachata im Verhältnis 80 : 20 und wenige Salsa-Songs. Das Konzept ging auf, inzwischen besuchen regelmäßig zwischen 60 und 80 Tänzer und Tänzerinnen die sonntägliche Tanzveranstaltung. Unter anderem auch die Cafe-Inhaberin selbst, die erst durch dieses Projekt mit diesen Tanzstilen in Berührung kam und zwischenzeitlich eine begeisterte Teilnehmerin der Veranstaltung ist.

„Workshop – Teilnehmer kommen teilweise von 400 Kilometern Entfernung“

Die Workshops von Sunny & Silvija locken Besucher von bis zu 400 Kilometer Entfernung an, welche oftmals gleich ein ganzes Wochenende bleiben. Einige nutzen am Samstag die Gelegenheit die Basics nochmals aufzufrischen, bevor sie den eigentlichen Spezial-Workshop besuchen. Sunny & Silvija legen großen Wert auf gute Didaktik des Unterrichts. „Unser Ziel sind beherrschbare und für jedermann tanzbare Kombinationen, die mit jeder -auch fremden- Tänzerin getanzt werden können“ erzählt uns Sunny, der wenig von Figuren hält, die nur um zu beeindrucken extra schwierig aufgebaut sind. Das Motto lautet „Weniger ist mehr“. Die Teilnehmer sollen mit einem guten Gefühl aus den Workshops mit der Fähigkeit gehen, das Gelernte später auch umsetzen zu können. Dieses Konzept hat Erfolg und ist mitunter ein Grund dafür, dass ihre Workshops von bis zu 120 Personen besucht werden.

Festivals hauptsächlich in Deutschland

Ihre ersten Bookings auf Festivals erhielten Sunny & Silvija 2013 auf dem Salsa Kongress in Innsbruck sowie auf Lanzarote. Seitdem sind sie regelmäßig als Tanzlehrer auf Festivals unterwegs – vorrangig jedoch in Deutschland. Eine internationale Tanzkarriere streben die beiden nicht an und halten ihr Engagement ganz bewusst in Grenzen. Beide üben hauptberuflich andere Tätigkeiten aus. „Der Spaß steht bei uns an erster Stelle. Das Tanzen soll für uns nach wie vor ein Hobby bleiben und keinen Arbeitscharakter erhalten“ erklärt uns Silvija. Und genau diese Lust aufs Tanzen merkt man den beiden auch deutlich an, die selbst nach einer durchgetanzten Partynacht und einem Workshop direkt im Vorfeld des Interviews noch ein strahlendes Lächeln für mich übrighaben. Obwohl sie die Tanzkarriere weiterhin „nur“ als Hobby betreiben, werden sie auch zu hochkarätigen Festivals wie dem Euro Dance Festival als Künstler eingeladen. „Das ist eine Ehre für uns und wir sind sehr stolz darauf, bei einem so hochwertigen Festival eingeladen zu sein.“ so Sunny.

Workshop sunny & silvija beim afromoves kizomba festival

Foto by Sunny & Silvija

Auch die Zahl der „Follower“, die den beiden auf Festivals folgen, ehrt die beiden und gibt ihnen die Bestätigung, den richtigen Weg zu gehen. Dass auch beim Afromoves-Festival Teilnehmer dabei waren, die laut der dortigen Organisation nur ihretwegen gekommen seien, zaubert den beiden ein Lächeln ins Gesicht. „Solche Rückmeldungen machen uns natürlich extrem stolz“ schwärmt Silvija.

Eine besondere Präferenz bezüglich der Tanzstile haben die beiden nicht. Beide haben erst traditionelles Kizomba erlernt, Urban Kiz kam später dazu und wird von beiden genauso gerne getanzt. Die Konkurrenz und Streitigkeiten, die zuweilen im Internet zwischen traditional und Urban herrschen, sehen Sunny & Silvija eher relaxed, denn beide Stile haben ihren Reiz und ihre Vorzüge. Beide Tanzstile werden unterrichtet und auf den Festivals bieten Sunny & Silvija eine breite Palette, meist in Abstimmung mit den Bedürfnissen der Festivalorganisatoren.

Kizomba hat sich durchgesetzt und wird nicht wieder verschwinden

Mit einem Schmunzeln sehen Sunny & Silvija die Entwicklung des Kizomba. Entgegen der damaligen Meinung Vieler, Kizomba sei eine Eintagsfliege, hat sich Kizomba in den meisten Ländern Europas durchgesetzt und erlebt einen wahren Boom. Ein solcher hat natürlich auch seine negativen Seiten. Tanzlehrer sprießen derzeit wie Frühlingsgras aus der Erde und nicht jeder gute Tänzer ist gleichzeitig ein guter Lehrer, so Sunny. Auf einem Masterkurs für Tanzlehrer, den beide besuchten, wollte man den Teilnehmern weismachen, dass jeder innerhalb kürzester Zeit ein Kizombalehrer werden kann, dies sei überhaupt kein Problem. Es wurde viel geredet, weniger getanzt und die wenigen Schritte die gezeigt wurden, peitschte man im Eiltempo durch. Das Resultat: frustrierte und verärgerte Teilnehmer, die Geld und Zeit nutzlos investierten. „Diese Lehrer sind inzwischen von der tänzerischen Bildfläche verschwunden“ so Sunny. Der Markt reguliert sich mit der Zeit selbst.

Leider gibt es auch auf den Festivals den ein oder anderen, der auf diesen Trendzug aufspringen und das große Geschäft machen möchte. So kam es schon vor, dass man einen Vertrag erhielt, in welchem sich Künstler verpflichten mussten, eine gewisse Anzahl an Teilnehmern mitzubringen. Auf Rückfrage, ob diese Passage ein Versehen sei, wurde erklärt, man habe ja auch hohe Kosten. „Selbstverständlich machen wir als Künstler dann auch Werbung für die Veranstaltung“ erklärt uns Sunny, jedoch sei es nicht die Aufgabe der Künstler, Teilnehmer zu bringen. Das ist die Aufgabe eines Organisators. Es sollte nicht sein, dass die Künstler die Aufgaben der Organisation übernehmen.

Wo findet ihr Sunny & Silvija in 2017?

2017 waren beide zum ersten Mal zu Gast beim AfroMoves Kizomba Festival und haben in 3 Workshop-Einheiten die Themen „Kizomba – Lead & Following“, „Kizomba Technics“ und „Kizomba Partnerwork“ unterrichtet. Wer die beiden live auf einem Festival erleben und ihre didaktisch hochwertigen Workshops besuchen möchte, hat auf den folgenden Veranstaltungen die Möglichkeit dazu:

Bachateando vom 9. – 11. Juni in Nürnberg

Kizomba Festival Stuttgart vom 2. – 6. November in Stuttgart

Alle Veranstaltungen findet ihr auch in unserem Event-Guide sowie Informationen zur Tanzschule in unserem Kizz-Index.

Unser Fazit: Sunny & Silvija sind zwei sehr sympathische und hochprofessionelle Tanzlehrer mit einer hervorragenden didaktischen Lehrmethode, bei denen der Spaß am Tanzen immer noch an erster Stelle steht. Wer im Nürnberger Raum Kizomba lernen möchte, kann sich völlig bedenkenlos in die Hände von Sunny & Silvija begeben.

Sunny & Silvi Kizombalehrer aus Nürnberg