Auf der 4. Kizomba Gala Kassel nahmen sich Vie und Sir J die Zeit, ihre Geschichte, ihre Philosophie und ihre Sicht auf die Kizomba Welt mit uns zu teilen. Erfahrt mehr in unserem Artikel.

Wie Vie, Sir J und Kizomba zueinander fanden

Vie startete ihre Tanzkarriere wie so viele in der Salsa Welt. 10 Jahre unterrichtete sie Salsa in ihrer eigenen Tanzschule in Brüssel. Als sie sich vor 5 Jahren von ihrem Partner trennte, schloss sie die Schule und zog nach Paris. Sie entdeckte Kizomba und unterrichtete dort für ein Jahr mit einem anderen Partner, bis sie Jimmy alias Sir J kennen und lieben lernte. Eine gemeinsame Wohnung und gemeinsamer Unterricht waren die Folge.  Unter der Woche unterrichten sie in einer Tanzschule in einem Vorort von Paris, an Wochenenden unterrichten sie auf Festivals. Sie beschränken ihre Festival-Jobs jedoch auf ein monatliches Engagement, da beide noch ihren Hauptjobs nachgehen. Vie arbeitet als Management Assistent, Jimmy ist in der IT Branche tätig.

Jimmy kommt ursprünglich aus Martinique, wo er seine Kindheit verbrachte. Zouk und karibische Klänge sind ihm von je her im Blut. „Kizomba“ sagt er „ist eine Mischung aus Semba und Zouk.“ Die meisten Leute aus seiner Heimat bleiben ihrem Zouk treu. Er jedoch war offen, etwas Neues zu erlernen und entwickelte seine Begeisterung für Kizomba, worin er Teile seiner Kultur und der Musik aus seiner Heimat wiedererkannte.

Musik liebte Jimmy schon immer. Er startete zunächst den Web-Radiosender FWI Radio für Zouk, Karibische- und Dancehall Musik, den er von 2009 bis 2012 betrieb. Er arbeitete mit 20 lokalen DJs zusammen, die unter anderem durch seinen Sender bekannt wurden und half damit Sängern und DJs ihre internationale Karriere zu starten. Unter ihnen KALASH, E SY KENNENGA, VJ LOU und DJ HALAN.

2011 entdeckte er Kizomba und lernte bei Mike Evans. „Kizomba ist nicht nur ein Tanz für mich. Es ist meine Leidenschaft“, sagt er. „Was ich sofort an Jimmy mochte war, dass er seinen karibischen Stil einfließen lässt, ohne den Ursprung des Kizomba zu verlieren“, so Vie.

Vie & Sir J. Foto: (c)A.Wittstruck

Was ihren Stil ausmacht und was sie vermitteln möchten

Ihr Unterricht ist sehr detailliert, darauf legen sie Wert. Es ist ihnen wichtig, dass die Schüler genau verstehen, wie sie sauber führen und was bei den Ladies ankommen sollte.  Besonders wichtig ist es ihnen, dass die Schüler ihren eigenen Stil finden. Der Tanz sollte nie eine Kopie einer anderen Person sein. „Manchmal sieht man den Tänzern auf der Tanzfläche genau an, von wem sie gelernt haben. Das ist nicht der Sinn des Tanzens“. Ihr Leitmotiv:

  • Höre die Musik
  • Achte auf eine saubere, deutliche Führung /Folgen
  • Bringe deinen eigenen Stil ein

„Wir lieben Kizomba und Kizomba Fusion. Wir unterrichten kein Urban Kiz, sondern klassisches Kizomba mit unserem eigenen Touch.“ Beide legen sehr viel Wert auf Musicality und weniger auf viele Schritte, Figuren oder Shows, um andere zu beeindrucken. „Im Kizomba geht es um den Partner, um das Gefühl und nicht um viele komplizierte Moves. Das versuchen wir in unseren Workshops zu vermitteln.“ Gleichzeitig wissen sie, dass die Kreativität beim Unterrichten wichtig ist, da viele Tänzer immer neue Schritte und Figuren in den Kursen erwarten. Dennoch möchten sie ihre Authentizität dabei nicht verlieren. Das sei nicht einfach, so Sir J. „Wir müssen unsere Balance darin beibehalten. Die Musik verändert sich und auch wir wollen zu allem tanzen und uns bis zu einem gewissen Grad anpassen. Die DJs formen die Szene mit ihrer Musik.“ Essentiell sei jedoch, die Basics zu beherrschen. Es geht beim Kizomba nicht um eine Choreographie. Es geht um eine saubere Führung. Die Leader müssen dazu in der Lage sein, nicht nur im Kurs sondern auch auf der Tanzfläche zu führen.

Rasante Entwicklung und die Challenge der verschiedenen Stile

Der Tanz und die Musik hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt, viele neue Musikstile sind zu hören, was auch den Tanz selbst beeinflusst. In dieser Komplexität sei es wichtig, dass Tänzer die Unterschiede kennen und ihren Tanzstil dem Musikstil anpassen. Viele Lehrer vermitteln heute leider nicht die Unterschiede, was für Anfänger, verwirrend sein kann.

In Vie und Sir J’s Augen gibt es genug Platz für alle Stile und Entwicklungen. Die einzige Gefahr bestehe darin, dass die Entwicklung zu schnell voranschreitet und gleichzeitig zu wenig erklärt wird, dabei könne die Essenz des Kizomba verloren gehen. „Wir versuchen unseren Schülern in unseren Workshops möglichst viele Basics zu erklären, z.B. weiche Bewegungen, schön zur Musik zu tanzen oder kleine Schritte.

Ausblick auf die Zukunft der Szene

Vie und Sir J sehen die Entwicklung etwas kritisch. „Im Moment sehen viele nur die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Im Salsa hat man eine ähnliche Entwicklung gesehen, so lange bis aufgrund des Überangebots die Events schlecht besucht waren. Jetzt verstehen viele, dass sie mit Kooperationen weiterkommen. Im Kizomba wird es ähnlich ablaufen. Jetzt gibt es viel Konkurrenz und Streit, jeder versucht ein Stück des Kuchens zu bekommen. Irgendwann platzt die Blase und dann werden wenige bleiben und diese werden miteinander kooperieren.“

Tipps an die Kizomba Szene

  • Vergesst nicht die Ursprünge des Tanzes
  • Habt eine positive Einstellung, es gibt genug Raum für Kreativität, jeder kann seinen Stil einbringen
  • Bleibt ihr selbst, ihr müsst keine Show abziehen
  • Lehrer: seid ehrlich zu den Schülern

Vie und Sir J:  ein sehr sympathisches, bodenständiges Paar mit dem Herz am rechten Fleck und einer Liebe zu den Ursprüngen des Tanzes, die man immer seltener antrifft.

Vie und Sir J around the world:

  • Salsa Symposium Paris – 26.-29. Oktober 2018
  • Xmas Gala Kassel – 13.-17. Dezember 2018

Ich traf Ronie Saleh zum zweiten Mal auf dem Afromoves Kizomba Festival. Er begegnete mir, allen Team-Mitgliedern und Schülern mit seiner ganz besonderen Art, Offenheit und Herzlichkeit. Er nahm sich Zeit und erzählte seine Geschichte. Erfahrt mehr in unserem Artikel.

Ein Interview von Eva Fischer

Die Schwäche zur Stärke machen

Kaum zu glauben, Ronie stotterte sein ganzes Leben lang, schon als Kind. Daher suchte er sich schon damals eine Möglichkeit, sich besser auszudrücken: durch Tanz und Gesang. „Wenn du dich nicht in Worten ausdrücken kannst, musst du einen anderen Weg finden. Wenn ich sang, stotterte ich nicht. Singen und Tanzen waren meine Therapie.

Schon mit 9 Jahren sang er auf der Bühne und gewann später Wettbewerbe in Gesang und Tanz. Tanzen brachte er sich selbst bei, indem er Videos schaute.

Die Entscheidung, seiner Leidenschaft zu folgen

Durch seine eigene Therapie bei einem Logopäden, beschloss er selbst Logopädie zu studieren. Er wollte anderen helfen, so wie ihm geholfen wurde.

Nach seinem Abschluss im Jahr 2014 arbeitete er zunächst in einer Klinik und eröffnete dann mit drei anderen Personen eine Klinik in Stockholm. Ein „Stotter-Zentrum“, das einzige dieser Art in ganz Skandinavien und war sehr erfolgreich damit. Im selben Jahr entdeckte er Kizomba in einem Foxtrott Workshop. Besonders ein Musicality Workshop von Albir tat es ihm an. Die Begeisterung packte ihn und er fragte sich „Warum sehe ich mich selbst dort stehen und unterrichten?“ Seine größte Angst war es doch immer vor Menschen sprechen zu müssen. Etwas später bot ihm seine Tanzschule einen Job als Tanzlehrer für Kizomba an und er fing an einen neuen Stil, den er kreiert hatte, zu unterrichten: FoxKiz (Modern Fox mit Kizomba Elementen) Er lernte, was es bedeutet zu unterrichten und wandte sein Wissen aus der Vergangenheit an, aus anderen Tänzen und auch aus der Zeit als Logopäde.

Ronie Saleh Workshop Leading following

Ronie & Armanch workshop. foto: Photoart Eichin

Die Leidenschaft wuchs und er beschloss, seinen Job als Logopäde zu kündigen. Er ging auf volles Risiko, gab seine materielle Sicherheit auf, kündigte seine Wohnung, verkaufte sein Auto und zog wieder bei seinen Eltern ein, um Geld zu sparen. Zu diesem Zeitpunkt war er gerade mal für vier Events in Schweden gebucht.

Der Erfolg stellte sich jedoch schnell ein. Auf jedem dieser Events fragten ihn drei Personen, ob er zu ihren Events kommen möchte und startete seine Erfolgsgeschichte. 2017 war er 47 von 52 Wochenenden gebucht und stand heute ist er bis 2020 so gut wie ausgebucht.

Variationen statt lange Schrittfolgen

Da er schon sechs Monate nachdem er selbst Kizomba lernte zu unterrichten begann, kannte er anfangs nicht viele Schritte und konzentrierte sich daher auf Variationen derselben Schritte. Sein Talent ist es, viele Variationen derselben Schritte zu kreieren und seinen Schülern zu zeigen. Er bekam viel positives Feedback. Viele Tänzer konnten damit mehr anfangen, als mit den normalerweise langen Schrittfolgen. Bei Ronie lernten sie stattdessen, wie man kurze Sequenzen zur Musik variieren kann. „Ich unterrichte so, wie ich auch unterrichtet werden möchte“.

Die spirituelle Seite des Tanzes

Kwenda’s Kaizen dance inspirierte ihn sehr. Kwenda ist dafür bekannt, ein spiritueller Lehrer zu sein, nicht dafür, viele Schritte zu unterrichten.

Ronie ist sich der Bedeutung der Verbindung von Menschen untereinander bewusst. Er ist überzeugt, dass die Leute nicht für viele Schritte in den Unterricht kommen, sie kommen hauptsächlich für die Connection untereinander.

Spiritualität wurde ein wichtiger Inhalt in seinem Unterricht und versucht diese auch zu vermitteln.  Er nimmt sich die Zeit und fordert die Schüler z.B. dazu auf, sich gegenseitig mit voller Aufmerksamkeit in die Augen zu sehen oder sich erst einmal ganz bewusst zu umarmen. „Am Ende sind wir alle miteinander verbunden. In meinem Unterricht erinnere ich die Schüler daran“.

Sein neues Projekt

Ronie Saleh. foto: imito

Ronie ist viel international unterwegs, von Asien bis Hawaii. Da er überall nur kurz sein kann und die Schüler ihn darum baten, ihn öfter sehen zu können, beschloss er mit einem neuen Projekt zu starten – online Kurse. Seine Online Kurse können jetzt schon unter www.roniesaleh.com herunterladen werden. Diese Online Kurse sollen komplementär zu seinen Workshops auf Festivals und Bootcamps sein, kein Ersatz.

Er freute sich sehr auf sein neues Projekt und war aufgeregt da es etwas Neues für ihn ist, durch die Kamera zu unterrichten. Er bat explizit um Feedback, damit er sich in seiner Mission, die besten Online Kurse zu kreieren, verbessern kann.

„Alles passiert zu seiner Zeit“

Zur Entwicklung der Kizombaszene sagt er: „Alles passiert zu seiner Zeit und alles entwickelt sich. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Alles sind nur neue Kombinationen. Mit unserer Kreativität kreieren wir neue Kombinationen, so auch im Tanz. Wir sollten aufhören, uns gegenseitig zu kritisieren, wenn jemand etwas Neues tun will.“

Er musste viel mit Negativität von anderen kämpfen, vor allem von anderen Lehrern aus der Szene. Das Feedback der Schüler ist jedoch sehr positiv und ließ sich nicht abhalten weiter zu machen. „Fusionen und Weiterentwicklungen sind natürlich! Die Schüler werden immer nach den Wurzeln des Tanzes fragen. Sie sollten von verschiedenen Lehrern lernen und ihre Erfahrungen machen. Die Entwicklung selbst ist nicht aufzuhalten.“

Ronie’s Motto: „Unleash Your Spirit“

Seine Ängste in jüngeren Jahren schränkten ihn sehr ein und nun möchte er sich voll entfalten. Er hat gelernt, sich von seiner Sprachbarriere nicht mehr aufhalten zu lassen und möchte andere Menschen dazu inspirieren, sich von keinen Hürden oder anderen Menschen abhalten zu lassen. „Wir sind nur kurz auf dieser Welt. Das ist die Schule des Lebens! Inspiriere Menschen durch deine Persönlichkeit, damit auch sie sich trauen, voll und ganz authentisch zu sein.“

Mit seinem Slogan „Unleash Your Sprit“ und dem Logo der zwei Flügel möchte er genau das symbolisieren. Er möchte den Leuten zeigen, dass sie über sich hinauswachsen können.  „Wenn du einer Leidenschaft nachgehen möchtest, braucht es Zeit. Es ist Zeit nötig, um ein Experte für das zu werden, was du gerne machst, erst dann zahlen die Leute für deine Expertise. Aber die meisten Menschen haben zu viel Angst. Sie wollen Sicherheit und werden deswegen keine Experten in ihrer Passion. Man muss sich trauen, seiner Passion nachzugehen.“

„Denke immer daran: mach das Beste aus deiner Zeit, mach das Beste aus deinen Fähigkeiten und womit du geboren wurdest. ‚Unleash Your Spirit FULLY‘. Entscheide dich immer für Liebe und Mitgefühl gegenüber dir selbst und anderen, statt für Angst und Selbstzweifel. Glaube an deine Einzigartigkeit. Niemand sonst ist genauso wie du. Sterbe lieber als Original anstatt als eine Kopie.“

Ronie around the world

Auf seiner Webseite www.roniesaleh.com findet ihr alle Festivals, auf denen ihr ihn in diesem Jahr an seinen Workshops teilnehmen könnt.

Ronie Saleh – ein inspirierender Mensch, der es schafft, andere zu begeistern und mitzureißen, zum Nachdenken anzuregen und Emotionen zu wecken.

Ich traf VersuS auf den Black Forest Kizomba Days in Horb. Man kennt die sympathischen italienischen Kizomba Tänzer aus einigen Videos, die im Netz kursieren. Eines der bekanntesten ist „Kizomba With a Statue“, in dem Valentina als Statue mit Stefano Marzioni tanzt.

Erfahrt mehr über die beiden in unserem Interview! Von Eva Fischer.

VersuS – wer hinter dem Namen steht

VersuS, das sind Stefano Marzioni, Valentina und Sonia. Das Musik- und Tanztalent begann schon in früher Kindheit zu tanzen, damals mit Vorliebe zu Michael Jackson. Während seiner Tanzkarriere kam zum Michael Jackson style noch Hip Hop, Reggaeton, Cuban Salsa, Salsa L.A. style und Bachata hinzu. In Italien war er besonders als akrobatischer Salsa Tänzer bekannt.

Stefano tanzt mit zwei Tanzpartnerinnen, Valentina und Sonia. Valentina tanzt professionell Ballett, Modern and Contemporary, Latin-Jazz und Reggaeton. Auf das Black Forest Festival begleitete ihn seine Tanz- und Lebenspartnerin Sonia, die zuvor überwiegend lateinamerikanische Tänze tanzte. Die drei arbeiten sehr harmonisch zusammen. Meist begleitet ihn eine der beiden auf Festivals. Sie planen aber sogar eine Show zu dritt. Die Prämiere soll im Juni auf dem Star Touch Festival in Corsica aufgeführt werden.

Beide Tänzerinnen studieren, Sonia Philosophie, Latein und Griechisch. Sie hat ihr Studium im April abgeschlossen und wird dann am Gymnasium unterrichten. Valentina studiert Zahnmedizin.

Was ist „Evo-Kiz“?

Stefano sah Kizomba zum ersten Mal 2011 auf einem Salsa Festival. Der Tanz begeisterte ihn sofort. Gleichzeitig begann seine kreative Ader zu pochen und überlegte, wie er seinen Beitrag zu diesem Tanz leisten konnte. Er lernte klassisches Kizomba, wollte jedoch seinen eigenen Stil einbringen. Er begann selbst Kizomba Musik zu komponieren und fügte europäische Sounds aus R&B und Hip Hop hinzu. Auch in seinen Tanzstil lässt er verschiedene Tänze wie Hip-Hop und die Musicality aus Contemporary einfließen. Er nannte seinen eigenen Stil „Evo-Kiz”, was mit Urban-Kiz vergleicht werden kann.

2016 demonstrierte er seine Kreativität und präsentierte mit seiner Partnerin Valentina auf dem Feeling Festival in Madrid eine Show, die ein Mix aus Michael Jackson und Kizomba moves war. Damals gab es viele kritische Stimmen. Heute werden wie selbstverständlich verschiedene Stile mit Kizomba gemischt, vor allem in Shows.

VersuS Philosophie

Foto: Photoart Eichin

Stefano und Sonia wünschen sich Offenheit für Neues. Sie selbst hatten Kizomba mit vielen Regeln gelernt. Heute gibt es schon viel Neues zu entdecken und der neue Kizomba Stil braucht neue Regeln. Sie plädieren für Offenheit für die Entwicklungen und die neuen Einflüsse. Wir sollten weniger schimpfen und versuchen zu definieren, was „echtes Kizomba“ ist und was nicht und stattdessen mehr tanzen.

Gleichzeitig betonen sie, wie wichtig die grundlegenden Schritte sind, die Essenz des Tanzes. Bei aller Entwicklung und allen Neuheiten müssen die Basics sauber getanzt werden, sonst ginge der Tanz komplett verloren.

VersuS around the world

Stefano ist vielseitig musikalisch und tänzerisch tätig. Er komponiert Musik für sich und andere Künstler, unterrichtet jeden Tag in Rom und an Wochenenden auf Festivals, ist Choreograph, produziert Videos und hat einen Youtube Channel, auf dem er 16 Mio. Follower hat.

Sein Ziel: auf der ganzen Welt zu tanzen. Diesem Ziel scheint er nicht fern zu sein. Dieses Jahr ist er schon ausgebucht und reist nach Europa, Asien, Russland und Amerika. Wo ihr VersuS zu sehen bekommt findet ihr auf der VersuS facebook Seite unter „Events“.

Wenn jemand von einem Senkrechtstart sprechen kann, dann er: DJ Narc6. Seit gut einem Jahr ist er in Deutschland und Europa als Kizomba DJ unterwegs, über 50 Bookings waren es 2017, der Kalender für 2018 ist bis zum Sommer bereits gut gefüllt und auch die ersten Bookings für 2019 stehen. Wie es dazu kam und was Narc6’ Ziele für die Zukunft sind, hat er uns in Frankfurt erzählt.

Startschuss im Januar 2017

DJ Morelasoul (links), DJ Narc6 (rechts. Foto: unbekannt

Im Mai 2016 beim Kizombachata Festival in Bremen, gab Archi Roots ihm die erste Chance aufzulegen, da Archi selbst für die Künstlerpräsentation verantwortlich war. Zuvor hatte er bereits ein paar Mal als Salsa-DJ aufgelegt, bevor er seine Leidenschaft für Kizomba entdeckte. DJ Morelasoul, den er im September 2016 auf der Kizomba Invasion Part I kennen lernte, hat ihn überzeugt Kizomba DJ zu werden. „Auch das Team der Kizinvasion um Yaya Diallo, Ernest Tarracha und Franky KizzFly haben von Anfang an an mich geglaubt.“

Im Januar 2017 fiel dann der Startschuss mit dem ersten Booking auf einer Party, auf welcher Enah im Vorfeld einen Workshop gab. Bereits im Februar war er auf dem „Berlin Valentines Festival“ als DJ gebucht. Seitdem ist er fast überall unterwegs. In Spitzenzeiten legt er bis zu viermal pro Woche auf.

Zu seiner Inspiration gehört vor allem Morelasoul. „…er hat mich inspiriert Kizomba DJ zu werden. Seine Musik ist anders und besonders.“ Aber auch viele andere DJs wie Madiss, Saï Saï, Nice Life, Lenhy, Valet, Zay’X, Maximelody und Colts gehören zu den DJs, die ihn beeindrucken.

Foto: Photoart Eichin

„…ich möchte mit meiner Musik eine Geschichte erzählen.“

Narc6 hat dennoch seinen ganz eigenen Stil. „ #Massage #Relax“ sowie „Sky is no limit“ sind seine Slogans und mittlerweile sehr bekannt. Er hat ein unvergleichliches Gefühl für Musik und weiß ganz genau, was sein Publikum hören möchte. Er schafft die perfekte Mischung aus knackigen Beats, bei welchen kein Tänzer still stehen möchte und aus sanfter Wohlfühlmusik, bei der man den Tanzpartner nicht mehr loslassen möchte, um die Harmonie nicht zu stören. Dabei ist es völlig egal, ob er Urban Kiz oder traditionelles Kizomba auflegt. Narc6 mag beide Musikrichtungen. „Ich möchte die Leute auf eine Reise mitnehmen und mit meiner Musik eine Geschichte erzählen. Egal welche Stilrichtung. Hauptsache die Leute haben Spaß dabei.“

Genau das schafft er auch. Partys mit ihm sind immer gut besucht, immer mehr Veranstalter buchen ihn für Events. Über 50 Bookings hatte er 2017 und 2018 geht es so weiter. Innerhalb eines Jahres ist er von Null auf Hundert durchgestartet. Dies hat er auch der Unterstützung von vielen Freunden zu verdanken. Mark Weber sponserte ihm den ersten professionellen Controller (er selbst hatte nur einen kleinen), damit er überhaupt starten kann. Victoria Dambach und Suzie Geisler haben ihm bei seinen ersten Schritten sehr unterstützt, sei es mit Fotos, Werbung oder Empfehlungen. Auch Lamsca Sagnia ist ihm immer eine große Unterstützung und ein enger Freund. Sabine Kolle und Murmel + haben ihn für einige Festivals und Partys empfohlen wie beispielsweise „Frankfurt Festival“ oder „Afromoves“.  „Support ist wichtig in der Szene und ich bin meinen Freunden, Veranstaltern und Fans in Deutschland und inzwischen auch im Ausland für die Unterstützung sehr dankbar.“

Wo geht die Reise hin?

Seine Reise als Kizomba DJ führte Narc6 bereits nach Italien, Niederlande, Frankreich und ganz Deutschland. 2018 stehen noch mehr europäische Ziele auf dem Programm. Zu seinen Wunschevents gehörten unter anderem Viva Kizomba Congress, Afromoves Kizomba Festival und die X-Mas Gala in Kassel, bei allen wurde er in der Zwischenzeit gebucht. Ein persönliches Ziel wäre ein Booking bei I’m your DJ Events, aber bei seiner steilen Karriere dürfte dies nur eine Frage der Zeit sein.

Im „normalen“ Leben schreibt Narc6 derzeit seine Masterthesis in Informationstechnik in München. Auf die Frage, ob es nicht anstrengend sei Studium und Auflegen unter einen Hut zu bekommen, lächelt er. Es kam schon vor, dass er nachts auflegen musste, um 6 Uhr zum Campus fuhr, um eine Klausur um 7:30 Uhr zu schreiben und um 13 Uhr wieder vor dem Mischpult stand. „Manchmal  ist es hart, beides miteinander zu vereinbaren, aber machbar.“ Ein absolutes Powerprogramm. Sein Alter hat er uns nicht verraten, wir bekamen dieselbe Antwort, die er jedem gibt: „Alt genug :-)“

Narc6′ Erfolgsweg ist ungebremst und wir dürfen uns hoffentlich auf viele weitere Gigs mit ihm freuen. Wo ihr ihn 2018 erleben dürft, könnt ihr auf seiner Facebookseite (Klick auf „Save the dates“) verfolgen.

In diesem Sinne #Massage #Relax

Foto Titelbild: Suzie Geißler

Kennengelernt bei einer Kizomba Reise nach Portugal Anfang Oktober war Björn als Teammitglied dabei und eine echte Bereicherung für die Gruppe. Björn ist Kizomba Pionier im hohen Norden Deutschlands, um genau zu sein in Kiel. Seine faszinierende Geschichte und seine Ansichten erfahrt ihr in unserem Report.

Die Liebe zum Kizomba und der Wunsch es zu verbreiten

Björn ist schon lange tanzbegeistert. 2011 besuchte er ein Bachata Festival in Hamburg. Aufgrund geringer Teilnehmerzahl wurde ein Kurs spontan umgestaltet: die Lehrerpaare sollten andere, unbekannte Tänze zeigen. Eines dieser Lehrerpaare waren Albir & Sara, die Kizomba Basics vorstellten. Björn war sofort Feuer und Flamme für diesen neuen Tanz.

In Norddeutschland wurde damals noch kein Kizomba getanzt und gelehrt. Björn war jedoch so in den Tanz verliebt, dass er sich regelmäßig mit Freunden, die auf dem Festival dabei waren, traf und die paar Schritte, die sie erlernt hatten, übte. Zu dieser Zeit wurden noch überwiegend peux-a-peux einzelne Kizomba Workshops auf anderen Festivals angeboten und so war er kurz darauf in München auf dem Bachatame-mucho Festival im Kizomba und Semba Workshop von Tony & Alena. Björn sprach Tony direkt an und so war der Grundstein für ihre weitere Kooperation gelegt. Daraus entstand eine Freundschaft.

Zurück in Kiel überzeugte er einen Salsa DJ, immer wieder 2-3 Kizomba Lieder zu spielen, damit er und seine Freunde Kizomba tanzen konnten. Ansonsten war die Tanzfläche leergefegt. Er versuchte immer wieder Kizomba in die Salsa Szene Kiels einzuflechten, was erst einmal auf wenig Begeisterung stieß. Doch steter Tropfen höhlt den Stein und nach einiger Zeit wurde aus Ablehnung Neugierde. Im Herbst 2012 bot er seinen ersten Kizomba Einführungskurs an – mit 40 Teilnehmern! Er selbst konnte nur die Basics und hat auch erst mal nur diese gelehrt.

Sein Ziel? Eine Kizomba Szene in Kiel aufzubauen! Sein Weg? Einen Kizomba Verein gründen! Darin hatte er schon Erfahrung, er hatte bereits einen Aikido Verein gegründet, eine Kampfkunst, die er seit 20 Jahren praktiziert und seit 10 Jahren unterrichtet. Durch den Verein bleibt er unabhängig. Es geht nicht um Profit, er lädt nur Künstler ein, die er persönlich kennengelernt hat und von denen er überzeugt ist. Sein Fokus liegt vor allem auf klassischem Kizomba. Für seine Workshops lädt er Künstler wie Kwenda Lima, Hélio Santos, Dasmara & Iolanda und natürlich Tony Gomes ein. Er selbst unterrichtet seitdem wöchentlich verschiedene Level unter anderem im Kieler Hochschulsport und in Flensburg. Unterstützt wurde er bei seinem Projekt vor allem von Tony, der ihm immer wieder Mut machte, seinen Traum weiter zu verfolgen.

Die spirituelle Ebene des Kizomba

Besonders die richtige Technik ist Björn wichtig, was weiches Führen und die Kontrolle des eigenen Gleichgewichts bedeutet. Im Tanz „eins werden“ – auf den Partner achten. Björn denkt bei der Führung mehr aus dem Ellbogen, statt aus den Händen.

Björn spürte aber, dass es über das Führen und die Musik hinaus, eine weitere Ebene gibt. Niemand anderes schien das zu verstehen – bis er ein Interview mit Kwenda Lima sah, der genau darüber sprach. Verrückt wie er ist, kontaktierte er Kwenda kurzerhand und ist extra nach Lissabon geflogen, um ihn zu treffen. An seinem letzten Abend lud ihn Kwenda zu sich nach Hause ein. Er gab ihm Musik und endlich hatte Björn jemanden gefunden mit dem er über die tiefere Ebene, die spirituelle Seite des Kizomba sprechen konnte. „Es ist eine Art, sich selbst und wie man sich in dem Moment fühlt, auszudrücken und mit dem anderen zu teilen. Es ist eine Möglichkeit, im Tanz mit dem anderen eine echte Bindung aufzubauen und sich selbst und den anderen auf dieser Ebene tatsächlich wahrzunehmen und zu erfahren, dass wir alle Teil des einen großen Ganzen sind.“ rezitiert Björn aus dem Gespräch. Jeder, der Kwenda’s Kaizen Dance miterlebt hat, weiß, worum es geht. Björn fühlte sich von Kwenda in seinem Gefühl bestätigt und gestärkt und begann selbst, diese spirituelle und emotionale Seite in seinen Unterricht einfließen zu lassen.

Kizomba als aktive Friedensarbeit

Für Björn ist Kizomba viel mehr als Tanzen. Es kann aktive Friedensarbeit sein. Wir treten mit anderen Menschen in Kontakt und spüren auf einer menschlichen und spirituellen Ebene, dass wir am Ende alle EINS sind. Es fördert das Miteinander. „Ich kann nicht sagen, dass Frieden in Syrien herrschen sollte und dann selbst aggressiv anderen gegenüber sein. Frieden fängt in uns selbst an, dann mit unseren nächsten und irgendwann über die gesamte Gemeinschaft hinweg. Erst muss ich selbst in Balance sein, dann kann ich gemeinsam in Balance sein. Das ist auf Kizomba übertragbar. Sich durch sanfte Berührungen gemeinsam zu bewegen und ganz weich und liebevoll miteinander zu tanzen.“

Aus diesem Blickwinkel betrachtet respektiert Björn alle Formen und Entwicklungen des Tanzes. Alles ist toll und die Diskussionen darum sind überflüssig. Je nachdem, wie wir uns im Tanz ausdrücken, ist das Gefühl dabei und was wir dem Partner in dem Moment vermitteln anders. Die Frage ist immer, wie wir im Tanz miteinander in Kontakt treten.

Wie wir wirklich gut werden

Einklang und Harmonie während des Tanzens setzen stabile Grundlagen voraus. In unserer Gesellschaft sind wir leider immer weniger bereit in die Tiefe zu gehen. Die Leute kratzen oftmals nur an der Oberfläche, wollen Neues und möglichst viele Figuren. Sie vergessen jedoch, sich eine solide Basis und tiefes Verständnis zu schaffen. „Auch ein Baum muss erst mal Wurzeln schlagen, bevor ein Stamm, Äste, Blätter und Früchte entstehen. Schaffe dir Wurzeln, die Basis in dem, was du lernen möchtest. Lerne das Tanzen nicht nur mit deinem Körper, sondern auch mit deinem Geist und deinem ganzen Sein, statt gleich die Früchte ernten zu wollen, ohne die Wurzeln vorher geschaffen zu haben.“
Hier greift er auf sein Wissen aus dem Aikido zurück. Dort spricht man von „Sho Shin Sha“, was so viel bedeutet wie „bleibe im Geiste immer ein Anfänger“. Wir müssen 100.000 Wiederholungen machen, dann entsteht etwas. „Ich fühle mich immer wieder wie ein Anfänger. Ich entdecke immer wieder Neues. Man darf nie denken ‚das kann ich schon‘.“

Und was hat es mit dem Kaffee auf sich?

Hauptberuflich ist Björn seit 2 Jahren Barista bei der Kaffeerösterei Loppokaffeexpress (https://www.loppokaffeeexpress.de/) und verfolgt somit seine dritte Leidenschaft – Kaffee! Das Besondere an dieser Rösterei: die Chefs fahren persönlich in die Herkunftsländer, arbeiten direkt mit den Kaffeebauern vor Ort und zahlen faire Preise. Und auch hier finden wir eine Verbindung zum Kizomba: Bis zum Bürgerkrieg war Angola einer der größten Kaffeeproduzenten. Durch den Bürgerkrieg hat sich die Kaffeeindustrie auf andere Länder konzentriert. Der Berliner Entwicklungshilfeverein OIKOS (http://www.oikos-berlin.de/) hilft mit einem Projekt, die Kaffee-Produktion in Angola wiederaufzubauen und dort gemeinsam mit den lokalen Bauern Kaffee von hoher Qualität produzieren. Die Kieler Rösterei könnte sich vorstellen, dieses Projekt zu unterstützen und vielleicht gibt es in wenigen Jahren qualitativ hochwertigen Kaffee aus Angola.

Mir hat die Zusammenarbeit mit Björn in Portugal sehr viel Spaß gemacht. Seine Begeisterung und Durchhaltevermögen beim Aufbau der Kizomba Szene im Norden Deutschlands sowie seine Ansichten zum Tanz sind beeindruckend, einfach schön und regen zum Nachdenken an. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und Freude beim Tanzen, Kaffee rösten und Aikido

Tato, dies ist das erste Kizomba Festival in Ecuador, und Du (BK Baila Kizomba) und William Matos (Estilo Latino) habt es initiiert. Wie hat alles begonnen?

William und ich trafen uns im Mambo Cafe, einer stadtbekannten Salsathek in Quito – unser Gesprächsthema: Kizomba. Wir unterrichten beide und hatten beschlossen, eine gemeinsame Tanzshow Gruppe ins Leben zu rufen. Als Künstler sind wir auch immer von finanziellen Aspekten abhängig. Dementsprechend kamen Zweifel auf, ob wir überhaupt auf Null raus kommen, als wir über ein Festival nachdachten. Wir riskierten es dennoch und gaben uns vier Monate Zeit, alles zu organisieren – Location und genug gute Lehrer, um die Workshops und Partys über drei Tage anzubieten. Die Pool Party war einer der letzten Punkte auf unserer Liste. Wir wollten das Festival mit einem entspannten letzten Tag beenden, ein wenig im europäischen Stil in einer besonderen Location.

Dann brauchten wir noch einen sprechenden Namen für das Festival. Wir einigten uns auf Kiz’Me, denn es dreht sich alles um Kizomba und um uns – die Tänzer. Wir möchten, dass der Tanz und das Gefühl das er vermittelt in unserem Land Verbreitung findet. In Ecuador und dessen Nachbarländern gibt es noch nicht viele Lehrer, die Kizomba pushen. In unseren Bemühungen wandten wir uns auch an Künstler in nahe gelegenen Ländern wie Kolumbien und Venezuela.

Wie hast Du von Kizomba erfahren und es gelernt? Worin besteht Deine Motivation, es in Südamerika bekannt zu machen?

Ich habe Albir Rojas in Panama kennengelernt und fand großes Interesse an seinem Tanzstil. Ich bewundere auch die Art, wie er Schülern hilft neue Fertigkeiten zu erlangen und Selbstvertrauen aufzubauen. Als Albir nach Spanien zog, um dort Kizomba zu lehren, beschloss ich bei ihm diesen aufregenden, noch kaum bekannten Tanz zu lernen. Also ging ich für zweieinhalb Jahre nach Spanien.

Ich genoss es und verliebte mich in den Tanz. Beim Kizomba empfinde ich eine tiefere Verbindung mit meiner Partnerin als bei jedem anderen mir bekannten Tanz. Die Menschen sollen verstehen, dass es mehr gibt als Salsa und Bachata und dass wir mehr können, als auf 1-2-3 – 5-6-7 zu tanzen sowie eigene Figuren im eigenen Rhythmus und eigener Geschwindigkeit tanzen zu können. Selbstverständlich immer unter respektvoller Einhaltung der Grundlagen.

Kizomba Ecuador Johnny Uday

Du teilst also Deine Leidenschaft mit anderen – hast Du auch die Möglichkeiten im Kopf, die daraus erwachsen, dass Du unter den ersten Kizomba Lehrern hier bist?

Wirtschaftlicher Erfolg ist gut möglich. 100% meiner Arbeitszeit widme ich dem Tanzen. Entsprechend sehe ich es nicht nur als ein Hobby. Was mich am meisten bewegt ist jedoch der Gedanke an die Menschen, die nachkommen. Ich möchte etwas hinterlassen und möchte wissen, dass die Leute die ich beeinflusse den Tanz zukünftig in Ecuador weiterführen.

Wie nehmen Tänzer in Lateinamerika Kizomba wahr?

Hauptsächlich wird es als etwas sehr Sinnliches wahrgenommen. Manche sagen auch Kizomba sei sexy, aber das sind zwei komplett andere Dinge. Es gibt „sexy“, und es gibt „sinnlich“. Vor allem Leute in den Küstenregionen genießen die Sinnlichkeit. Es gibt auch auf anderem Gebiet Verwirrung,  wenn Kizomba als Mischung zwischen Bachata und Tango beschrieben wird. Ich weise dann immer darauf hin, dass das nicht korrekt ist. Kizomba hat seinen eigenen Rhythmus, Percussion und Tempo. Es ist keine Mischung. Es hat seinen eigenen Ursprung in Afrika.

Latinos sehen Kizomba als etwas sehr Erfrischendes für den Körper, etwas Erleichterndes. Die Leute sagen “Wow, ich fühle mich so verbunden mit meinem Partner, so verstanden.” Ich denke in ein bis zwei Jahren wird vermehrt Kizomba in Lateinamerika zu hören sein. Es gibt schon große Projekte, Kizomba in Kolumbien und Argentinien zu promoten und auch in Peru und Venezuela findet es momentan Einzug. Wir Künstler sind in Kontakt und ich habe richtig gutes Feedback erhalten dafür, dass ich die Szene hier unterstütze.

Ich habe das Festival als sehr persönlich erlebt dank Deiner Organisation und dem direkten, freundlichen Kontakt vorab. Kannst Du unseren Lesern vielleicht ein paar Fakten und Zahlen nennen?

Neben mir, Tato Mendez (BK Baila Kizomba), gab es noch weitere drei Künstler: Sol Perez (Kizomba Ibarra), Johnny Uday (Salserios, Quenca) und William Mato (Venezuela).

Das Allan Dee Dance Squad wird nächstes Jahr mit von der Partie sein.

Es gab 33 Workshop Teilnehmer. Auf den Abendpartys hatten wir 70-80 Gäste und ca. 20 Mitarbeiter sowie Showtänzer gezählt. Diese 100 Personen haben das Mambo Cafe perfekt gefüllt.

Unser Hauptziel war es, Kizomba bekannter zu machen, nicht Geld zu machen. Der Full Pass für drei Tage hat nur $24 gekostet, was gerade so unsere Kosten deckte.

Und alle schienen richtig Spaß zu haben…

Absolut! Die Leute waren glücklich und berührt. Wir haben Anfragen erhalten das Festival bitte fortzuführen und nächstes Jahr wieder zu veranstalten. Die positive Energie, die Lehrer und Mitarbeiter verbreitet haben und die schönen Erfahrungen, die Freude sowie neu geschlossene Freundschaften waren großartig und gaben einen kleinen Einblick in die Kizomba Kultur.

Viele der europäischen Festivals sind sehr fokussiert auf Kizomba, oft exklusiv. Ihr habt Euch entschieden, auf den Abendparties Kizomba, Salsa und Bachata zu mischen. Was war der Grund für diese Entscheidung? Glaubst Du Kizomba wird in Lateinamerika auch in der Zukunft stärker gemeinsam mit anderen Tänzen gelebt werden?

Vor einer Weile ging es in Quito nur um Salsa. Bachata stieß nicht auf viel Resonanz. Plötzlich wurde es ein Hype und Bachata und Salsa endeten irgendwann gleichauf. Es besteht eine realistische Chance, dass Kizomba das auch schafft oder vielleicht sogar die Popularität von Bachata übersteigen wird. Doch das können wir heute noch nicht wissen.

Auf dem Festival wollten wir nicht exklusiv sein, da wir viele Salsa und Bachata Tänzer haben, die noch Kizomba Anfänger sind. Wir sind einander sehr aufgeschlossen.

Wie siehst Du die Kizomba Szene in 5 Jahren?

Schon heute kann man hier in Ecuador Kizomba im Radio und Fernsehen hören. Es gibt Dokus über das neue Genre. “Wer ist diese blonde Frau mit den phänomenalen Moves? Lara Lopez. Sie war Balletttänzerin, hat Wettbewerbe mit Albir getanzt und gewonnen und boom!” Ich denke, in fünf Jahren könnte es neben unserem noch viele weitere Festivals geben. Wir laden auch “Asi se Baila Guayaquil” (ein großes Salsa Festival) ein, der Kizomba Community ihre Tore zu öffnen. Wir sind absolut offen und helfen gerne mit Workshops etc.

Wahrscheinlich wird es in fünf Jahren viel mehr Kizomba in ganz Lateinamerika geben. Es gibt Promoter in Kolumbien, Venezuela, Argentinien, Brasilien, Peru…

Habt Ihr Pläne für ein nächstes Festival? Gibt es etwas, das Ihr anders machen würdet?

Ja, es wird ein nächstes Mal geben und zwar Anfang August. Was werden wir anders machen? Ich denke darüber nach, die Sache mit einem Ausflug zum Strand aufzupeppen.

Bis dahin haben wir im November eine Kizomba Party mit dem Motto “ángeles y demonios”.

Tato, es hat mich gefreut, Dich kennenzulernen. Danke für das Interview.

Danke Dir und den Machern von kizzmag.com!

Ein Interview von Klaus

Mehr Informationen über Tato Mendez: Hier

 

 

Ich traf Martina, gebürtige Bayerin vom Chiemsee, auf der Frankfurter KizombaInvasion und sie begeisterte mich nicht nur durch Talent, sondern auch durch ihre offene und herzliche Art. Ihr Weg zur inzwischen bekannten DJane in unserem Interview.

Erster Kontakt mit Kizomba

Musik und vor allem Tanz waren schon immer ihre Passion. Vor allem Musikstile wie R&B und House hatten es ihr angetan, was heute unschwer in ihren Mixes erkennbar ist. „Auf R&B Lieder lässt sich auch super Kizomba tanzen“.

Hauptberuflich bei einer Krankenkasse beschäftigt, einem eher trockenen Beruf, suchte sie in ihrer Freizeit immer wieder nach Umgebungen, die ihr Musik und Tanz näherbrachten. Schon früh fasziniert von DJs, hat sie deren Arbeit mit neugierigen Augen beobachtet. Anfang 20 war sie bereits nebenberuflich bei einem Radiosender tätig, übernahm die Moderation und stellte neue Musik vor. Bereits zwei Wochen nach Beginn, bediente sie zum ersten Mal selbst die Regler und war hellauf begeistert.

2013 entdeckte sie Paartanz für sich. Ihr Talent blieb nicht verborgen und ihre damalige Tanzlehrerin und sehr gute Freundin begann schon bald sie in Standard und Latein auszubilden. Sie erlernte ein breites Repertoire an Tänzen und begann noch im selben Jahr verschiedene Tänze mit zu unterrichten. Fasziniert erlernte sie 2014 Kizomba auf zahlreichen Festivals und Workshops und unterrichtete kurze Zeit später mit ihrer damaligen Tanzpartnerin. Unter dem Namen Sensual Dancing Ladies tanzten die beiden auch Shows.

 

Der Weg hinter das DJ Pult

Eva Fischer und DJ Angelkizz

Eva Fischer (KizzMag) & DJ Angelkizz (Martina)

Ihre selbst ausgesuchte Unterrichtsmusik, kam bei den Schülern unheimlich gut an. Durch gute Vernetzung bekam sie neue Kizomba Tracks auch von anderen DJs oder aus dem Netz. Ihre Schüler brachten sie erst auf die Idee selbst aufzulegen, ein Gedanke, der erstmal befremdlich war.

Aus der Motivation heraus, Kizomba bekannter zu machen und Schülern eine Tanzgelegenheit zu geben, nahm sie Kontakt zur Tanzlocation „Tanzwerk“ am Chiemsee auf. Salsa und Bachata Abende wurden dort bereits veranstaltet. Martinas Anfrage, ob sie nicht auch Kizomba auf Partys auflegen könnten, endete damit, dass sie dort selbst Kizomba, nebst Salsa und Bachata auflegte.

 

Vom Amateur zum Profi

Von Motivation getrieben, ohne ordentliches Equipment und wenig Ahnung stürzte sie sich ins Abenteuer und legte lediglich mit Laptop und einem kostenfreien DJ Programm auf. „Es war eine Katastrophe und vernünftiges Mischen war damit schlichtweg nicht möglich. Ich konnte meine Lieder nur zusammenstellen und abspielen.“

Ihr passierte, was auch anderen Vorreitern passierte. Sobald Kizomba an der Reihe war, standen die Gäste fragend auf der Tanzfläche, wussten nichts mit der Musik anzufangen und schon gar nicht, wie man darauf tanzen sollte. Eine leere Tanzfläche war die Folge.

Sie bewies Hartnäckigkeit. Mutig tanzte sie mit ihrer Tanzpartnerin vor, um die Gäste auf den Geschmack zu bringen – mit Erfolg. Das Interesse begann zu wachsen und die Leute kamen, um Kizomba zu erlernen.

Eine wachsende Szene war das Resultat. 2014 veranstaltete das Tanzwerk mit ihr als DJane die erste „Sensual Night“, die hauptsächlich Kizomba und Bachata beinhaltete. Eine gut besuchte, regelmäßige Party, die auch Gäste aus München anlockte, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass sie selbst dort auflegt.

Anfang 2016 bat DJ Saul (München) sie, ihn in der Münchner „Hookahbar“ zu vertreten, wenn er selbst auf Reisen war. Eine Woche später kam sie zum Einsatz, mit einem billigen Controller und demensprechend schlechten Übergängen. Dennoch mochten sie die Leute. Sie stattete sich mit einer besseren Technik aus und sammelte Erfahrung. „Die gegenseitige Unterstützung unter den DJs ist super und ich habe viel von anderen und durchs Zuschauen lernen dürfen.“

Sonia & Martina

Ehrgeiz und Leidenschaft zahlte sich schnell aus, so dass sie fast nicht wusste, wie ihr geschah. Schon ab Mitte 2016 war sie jedes Wochenende im süddeutschen Raum gebucht, ebenfalls in Österreich, Frankfurt, auf Events wie KizombaInvasion München oder FFM oder am Mulini Beach in Rovinj bei DJ Paluxe. Zudem war sie Mitveranstalterin des ersten Kizomba Schiffes auf dem Chiemsee.

Seit Anfang 2017 ist Martina verstärkt in Frankfurt am Main zu hören. Zu ihrem kürzlichen Umzug dorthin motivierte sie ihre Lebensgefährtin Sónia, die dort lebt. Sónia ist als Taxitänzerin (tanzt Leader) bekannt und Veranstalterin des Frankfurter Kizomba Cafés in FFM. Zwischenzeitlich unterrichten beide Kizomba im Chiemgau und Österreich. An dieser Stelle möchte sich Martina für die immerwährende Unterstützung ihrer Lebensgefährtin bedanken. Sónia kommt zu jedem Booking mit. „Ohne dich wäre das alles nicht möglich! – Liebsten Dank“

 

Die Männerdomäne

Auf meine Frage hin, wie es so sei, sich als Frau in dieser Männerdomäne zu behaupten, betonte sie wiederum die tolle gegenseitige Unterstützung und Kooperation zwischen DJs, Veranstaltern und Taxitänzern.

Einige Muster aus der generellen Arbeitswelt spiegeln sich leider auch hier wieder, z.B. was die Gage oder die Aufträge betrifft. Es gibt noch sehr wenige Frauen in diesem Bereich und viele haben nicht den Mut oder pushen nicht genug nach vorn.

Auffällig ist, wie selten weibliche DJs auf Festivals und größeren Veranstaltungen gebucht werden. In der nächsten Zeit finden viele Festivals in Europa statt und auf den wenigsten sind weibliche DJs eingeladen. Wenn DJanes eingeladen sind, legen sie oft zu den Randzeiten und auf Nebentanzflächen auf. „Ich finde das sehr schade“.

 

Das Rätsel um ihren Namen

Ihr bayrischer Spitzname „Schneckal“ führte zu ihrem ersten Künstlernamen „KizSchneckal“ – in Bayern verständlich, im Rest Deutschlands eher befremdlich. Daher änderte sie ihren Namen Ende 2016 mit dem Beginn ihrer Gigs in Frankfurt in „DJane AngelKizz“ und verwirrte damit zunächst ihre Fans. Heute ist sie unter diesem Namen bekannt.

 

Das Geheimnis ihres Erfolges

Man muss mit den Leuten mitgehen und auf ihre Stimmung achten. Ich kann sie nicht zuerst mit ruhigen Tönen in Trance versetzen, dann plötzlich einen Tarraxa Song reinknallen und sie aus der Stimmung reißen. Ich bereite mich zwar immer gut vor, aber ich habe vor einem Gig keine Ahnung, was ich wirklich auflegen werde. Ich schaue erst, wie die Leute drauf sind und auf meine Musik reagieren.“

Martina ist mit dem Herzen dabei. Sie liebt, was sie mit ihrer Musik bewegen kann und weiß die ihr gebotenen Chancen zu schätzen. Bei all dem rasanten Erfolg ist es besonders wichtig, „auf dem Teppich zu bleiben“. Wenn man schnell bekannt wird, hebt man auch leicht ab. Aber wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, sind wir doch alle im Vergleich ein kleines Licht auf der Welt.“

Wir geben dir Recht, Martina. Aber gerade, weil du so bist wie du bist, strahlt deins besonders hell.

 

 Hier ist DJane AngelKizz in den nächsten Monaten zu hören:

 

Regelmäßige Termine:

  • Kizomba Café Frankfurt
  • Kizomba Club Frankfurt
  • Tanzwerk im Chiemgau/am Chiemsee
  • Circulo München
  • Tanzschule Conexión Frankfurt

 

Eine eigene Tanzschule, das war schon immer der Traum von Motsi Mabuse – bekannt aus RTL „Let’s dance“.  Am 2. September 2017 wurde aus Traum endlich Realität. Kizomba sollte ein Teil ihres Angebots werden und so holte sie sich mit JD & Chrissi zwei international bekannte Kizombakünstler als Partner. Wir trafen Motsi in ihrer Tanzschule in Eschborn (Frankfurt), sahen uns Tanzschule und Angebot an und berichten im Folgenden.

Interview

Motsi, du warst aktive Standard-Latein-Tänzerin und bist durch RTL „Let’s dance“ weit über die Tanzszene hinaus bekannt geworden. Was hat dich dazu bewogen, eine eigene Tanzschule zu eröffnen?

Das war schon immer mein Ziel. Während unserer aktiven Tanz Zeit waren wir viel unterwegs, sind aufgetreten oder haben trainiert. Aber dabei verdient man nicht wirklich Geld. Ich liebe Tanzen und ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Außerdem wollte ich ein zweites Standbein aufbauen.

Wie war dein Weg zu eigenen Tanzschule? Gab es auch Hindernisse?

Ich habe vor vier Jahren angefangen aktiv zu suchen. Ich hatte viele Probleme, geeignete Räume in Frankfurt zu finden, in denen man allen „tanzgerecht“ werden kann. Das war uns sehr wichtig, denn am heutigen Konzept haben wir lange gearbeitet.

Neben bekannten Standard- und Lateintänzen bietest du auch spezielle Kurse wie West Coast Swing oder Urban Kiz an. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich habe mich in die verschiedenen Tanzrichtungen verliebt. Die machen richtig viel Spaß!

Was gefällt dir an Urban Kiz besonders?

Ich liebe Urban Kiz! Ich habe es vor ein paar Jahren in Südafrika getanzt und habe schon dort gesagt, dass ich das unbedingt in unserer Tanzschule unterrichten möchte.

Bist du selbst auch Kizomba Tänzerin?

Ich bin ein riesen Fan und am Lernen – also ja J

Für Urban Kiz hast du dir zwei international tätige Top Artists als externe Trainer engagiert. Wie seid ihr zusammengekommen?

JD & Chrissi sind auf uns zugekommen, als wir Tanzlehrer gesucht haben. Ich finde beide extrem sympathisch und sehr gute Lehrer.

Was für reguläre Urban Kiz Kurse werden angeboten?

Jeden Dienstag von 19:00 – 20:30 Uhr Beginner und von 20:30 – 22:00 Uhr Fortgeschrittene. Leider können JD & Chrissi nur Dienstags, also haben wir Dienstags immer Kizomba-Abend.

Du veranstaltest monatlich eine Kizomba Party mit bekannten DJs – auf was darf man sich zukünftig noch freuen?

Ich freue mich immer sehr auf diese Partys bei uns. Heute an Halloween haben wir DJ Narc6 zu Gast und am 28. November DJ Lenhy aus Paris.

 

Partyreview – Halloweenparty vom 31.10.2017 mit DJ Narc6

 

Die Tanzschule

Im neunten Stock mitten im Industriegebiet Eschborn befindet sich seit September die “Motsi Mabuse Taunus Tanzschule” und offenbart einen atemberaubenden Rundumblick auf Frankfurt und Umgebung. Besonders nachts, wenn die Lichter im Dunkeln strahlen, möchte man fast lieber aus dem Fenster sehen, als sich auf den momentanen Tanz zu konzentrieren. Zwei große Tanzsäle mit Wandspiegeln, ein tolles Foyer mit großer Bar und Sitzgelegenheiten sowie Garderobenraum bietet die modern eingerichtete Tanzschule, neben einem tollen Blick aufs Detail. So war die komplette Tanzschule halloweengerecht dekoriert und sorgte für eine passende Stimmung. Lediglich die hohen Getränkepreise haben etwas erschreckt, jedoch für eine größere Stadt nicht ungewöhnlich. Ein Cuba Libre liegt bei 7,50 € und eine Cola bei 3,10 €.

Workshop mit JD & Chrissi

JD&Chrissi bei Motsi Mabuse Taunus TanzschuleJD & Chrissi gaben von 20:30 – 21:30 Uhr einen Urban Kiz Workshop im Open Level Stil im Vorfeld der Party. Vertreten waren vom Anfängerlevel bis hin zu fortgeschrittenen Tänzern nahezu alle Niveaus und auch das Verhältnis war mit einem sehr geringen Frauenüberschuss angenehm. Über 50 Personen nahmen am Workshop teil, bevor um 21:30 die offizielle Kizomba Party mit DJ Narc6 begann.

Kizombaparty mit DJ Narc6

Insgesamt über 125 Gäste kamen von überall her: Stuttgart, Heidelberg, Mannheim – ja selbst eine Tänzerin aus Ostfriesland fand ihren Weg zur Motsi Mabuse Kizomba Party. Narc6 spielte einen abwechslungsreichen Mix, von sanften Klängen bis hin zu knackigen Tarraxa-Beats war für alle Geschmäcker etwas Passendes dabei. Er hat ein tolles Händchen für das Publikum und kann seine Musik entsprechend anpassen. Die Stimmung war bis zum Schluss und darüber hinaus familiär und ausgelassen. Ein echtes Wohlfühlprogramm für die Kizomba-Seele. Selbst nach offiziellem Partyende um 1 Uhr wurde fleißig weiter getanzt.

 

Unser Fazit

Eine tolle Tanzschule mit vielfältigem Angebot und festem Kizomba Programm, geführt mit viel Liebe von Motsi und Ehemann Evgenij, die selbst bei den Partys dabei sind. Die Location im obersten Stockwerk des Hochhauses mit atemberaubendem Blick über Frankfurt bietet unfassbar viel Charme. Lehrer und DJ’s sind Profis und die Gäste bringen viel Freude und gute Stimmung mit. Von uns gibt’s alle Daumen hoch. KizzMag kommt gerne wieder.

Nicht verpassen – das nächste Event findet am 28.11.2017 statt mit DJ Lenhy aus Paris.

 

Bildergalerie

 

Partyvideo

Er ist einer der  ältesten Hasen was Kizomba in Deutschland betrifft. Musik und Tanz liegt ihm seit Kindestagen im Blut und war stets Teil seines Lebens. Er gründete 2010 die erste reine Kizomba Tanzschule in Deutschland und ging damit voll ins Risiko, denn damals war Kizomba noch sehr unbekannt. Er setzte sich durch, doch es war ein harter Kampf bis heute, wie im Folgenden zu lesen ist…

Der Weg zum Tanz

Tony Gomes und Alena

Tony & Alena

Der gebürtige Angolaner tanzte bereits in Kindestagen, da seine Mutter – ganz im Gegensatz zum Vater – leidenschaftlich gern getanzt hat. Durch vor Ort stationierte kubanische Soldaten, die zur damaligen Zeit Angola unterstützten, kam er erstmals mit Salsa in Berührung und erlernte seine ersten Schritte. Bereits mit 12 Jahren tanzte er  auch Semba und Passada auf einem Konzert und beeindruckte mit seinem Talent den dortigen Bürgermeister. Ein Ansporn für Tony, sich im Bereich Tanz zu vertiefen.

Er erlernte insbesondere Zouk, was dann weitere Elemente wie bspw. kapverdische Elemente aufnahm. So entwickelte sich langsam der Kizomba, was jedoch auf Zouk Musik getanzt wurde. Darüber hinaus wurde damals Kizomba von Bands live eingespielt und aufgenommen, Mixe mit elektronischen Elementen gab es zu dieser Zeit noch nicht. Ebenso wie Mobiltelefone, dennoch wusste jeder, wann und wo ein Konzert oder ähnliches stattfindet. Bereits in Angola war Tony als Deejay tätig mit Kassetten, die mit Bleistiften wieder aufgespult wurden – seine Gage? Eine Flasche Likör!

Kizomba in Deutschland

Bereits 1996 kam Kizomba langsam in Deutschland auf. Tony tanzte zu dieser Zeit bereits viel, unter anderem Samba oder auch Lambada-Shows und war bei Tanzschulen bekannt.

Er war hauptsächlich als DJ im damaligen Schützenhaus, im Jaba Daba Du und weiteren Locations unterwegs und legte neben Salsa grundsätzlich auch Kizomba Musik auf und wenn es nur 2-3 Lieder waren. Auch wenn bei 800 Partygästen die Tanzfläche plötzlich leer war sobald Kizomba lief, Tony ließ sich diese Freiheit und ein Stück seiner heimischen Musikkultur nicht nehmen, obwohl er von den Leuten gebeten wurde kein Kizomba zu spielen. Sie fanden die Musik zwar toll, aber niemand wusste, wie darauf zu tanzen war. Tony musste viel einstecken. Mit den Beschwerden in diversen Foren über das Spielen seiner Kizombamusik könnte er heute ein dickes Buch schreiben. Er blieb trotzdem hartnäckig und behielt seine Kizombamusik auf Partys bei.

Deutschlands erste Kizombaschule

Anzeige in Tageszeitung im Oktober 1996

Tony wollte unterrichten, allerdings keinen Salsa. Im Oktober 1996 wagte Tony seinen ersten Versuch. Er unterrichtete auch Tae-Kwon-Do in Nürtingen und bot als „Afro-Südamerikanische Tanzschule“ erste Kurse an. Kizomba gegenüber waren die Leute jedoch sehr zurückhaltend. „Der Tanz war ihnen zu eng, die Nähe war nicht gewünscht.“ Mit der Zeit wuchs das Interesse und in Portugal erwachte plötzlich der Kizomba  Boom. Die Africa Dancar Festivals kamen 2007 auf und 2008 und 2009 war Tony selbst dabei.

Mit seiner ersten Tanzpartnerin Alena verfolgte er das Ziel, Kizomba in Deutschland zu unterrichten. Er wollte jedoch eine richtige Unterrichtsstruktur aufbauen und es verständlich vermitteln. Er lernte Petchu in einer Diskothek kennen und bat ihn um Hilfe. Petchu half ihm ein Unterrichtskonzept aufzubauen und wie man Kizomba richtig beibringt. 2010 gründete er „AfroMoves“ und baute die Kizombaschule zusammen mit Alena Stück für Stück auf. Alena war durch ihr Organisationsgeschick ein sehr wichtiger Bestandteil von AfroMoves und hat viel zur Gestaltung AfroMoves‚ beitgetragen. Sie stieg 2013 nach fünf Jahren an Tonys‚ Seite aufgrund gesundheitlicher Probleme aus, zu dieser Zeit war Justy bereits Tonys Schülerin und begann sie als Nachfolgerin vorzubereiten. Privat sind sie liiert und haben einen kleinen Sohn.

Das AfroMoves Team ist über die Jahre gewachsen und besteht inzwischen aus rund 10 Personen. „Ich bin sehr stolz auf das Team und dankbar, dass ich mit so tollen Menschen zusammen arbeiten darf“. Er gibt zu, selbst kein großer Spezialist im Organisieren zu sein, sein Metier ist der Tanz selbst, deshalb ist er sehr dankbar, dass ihm sein Team in dieser Hinsicht den Rücken stärkt und tatkräftig unterstützt.

AfroMoves‘ Angebot

Neben regulären Kursen von Beginner bis zum Master Club gibt es auch immer wieder spezielle Workshops im Angebot. Als Tanzmöglichkeit für Schüler veranstaltet Afromoves jeden Sonntag den KizZonntag im Cafe „myemy“ im Ufa-Palast Stuttgart. Hier kann in gemütlicher Partyatmosphäre getanzt werden und die Woche stimmungsvoll abgeschlossen werden.

Jeden vierten Samstag im Monat findet die große Kizombaparty „Noite de Kizomba“ statt, ebenfalls im „myemy“. Mit wechselnden Gast-DJs und kostenlosten „Just-One“-Workshops im Vorfeld, gehört diese Partyreihe zu den etablierten und großen Kizombapartys im Großraum Stuttgart.

Seit kurzem findet jeden zweiten Samstag im Monat „The Gomes“-Party statt. Tony selbst und sein Sohn Joany – ebenfalls professioneller Tanzlehrer, geben sich hier abwechselnd als DJ die Ehre und sorgen für eine abwechslungsreiche Kizombamusik mitten in Esslingen (in den Räumen von SabroSalsa).

Auch organisierte Tanzreisen nach Portugal in Kooperation mit viaDanza Tanzreisen gehört zum Repertoire von AfroMoves. Zweimal jährlich finden sie im Mai und Oktober statt und beinhalten spezielle Workshops kombiniert mit Urlaubsfeeling.

Das jährliche AfroMoves Kizomba Festival Mitte März bildet das Eventhighlight der Tanzschule und findet im März 2018 schon zum siebten Mal statt.

Diskussion um Traditionell vs. Urban Kizomba

Tony, der von den meisten als traditioneller Kizombatänzer betitelt wird, erklärt uns, dass es im Grunde kein traditionelles Kizomba gebe, sondern fast alles als Fusion zu sehen ist. Richtig traditionell stellt eher den Einzeltanz dar, Paartanz hingegen sei grundsätzlich als moderner Tanz anzusehen. Seit jeher gibt es Entwicklungen beim Tanzen, insbesondere Kizomba und diese sollte man auch zulassen. „Es war notwendig weitere Schritte zu erfinden, um auf der Bühne etwas präsentieren zu können. Viele Figuren gibt es erst, seit die Entwicklung eingesetzt hat. Kizomba ist keine Mode, sondern Kultur.“ Natürlich sollte man die Ursprünge und die traditionellen Ansätze nicht vergessen, aber man sollte Entwicklungen zulassen.

Tipps für Tänzer & Tänzerinnen

Nicht gleich auf Figuren stürzen, erst einmal Gefühl für die Musik entwickeln

Basics ganz hoch ansetzen – sie sind der Grundstock

Mit verschiedenen Partnern tanzen, um flexibel zu werden

Versuchen auf die Musik zu tanzen – Musikalität entwickeln

Frauen müssen versuchen ihren Kopf abzuschalten

Frauen müssen den Fokus auf das Folgen richten, das richtige Erspüren was geführt wird

 

Ehemalige Tanzpartnerin Eva Fischer & Tony Gomes

 

Tony Gomes ist Tänzer aus Leib und Seele. Wir danken ihm für das angenehme Interview und die Einblicke in seine Anfangszeit.

Ein Interview von Silke Wiedenhöft

Blasmusik, Portugal, Hip Hop, Paris, Kizomba – DJ Radikal ist vielseitig, das steht fest. Auch sein Künstlername „Radikal“ überrascht bei seinen eher typisch sanften Klängen. Wir trafen ihn auf der „Noite de Kizomba“ in Stuttgart und bringen Licht hinter seine Vielseitigkeit und erfahren, wie er auf seinen Künstlernamen „Radikal“ kam.

Auftritt Stuttgart

Aus Dortmund, München und natürlich Großraum Stuttgart fanden Kizomberos/as ihren teils weiten Weg nach Stuttgart zur „Noite de Kizomba“, um DJ Radikal live zu erleben.  Mit einem angenehmen Mix aus klassischem und modernem Kizomba sorgte er für eine ausgelassene Stimmung und viele Stunden Tanzvergnügen. Die Gäste dankten es ihm mit einem entsprechenden Applaus. Aber nicht nur als DJ überzeugt Victor Silvestre – und zeigte sich humorvoll und interessiert bei seinem Gastgeber Afromoves. So befragt er uns zur deutschen Kultur und Stuttgart, begleitet von einem zünftigen Weißwurstfrühstück und Blasmusik. Sein Mitschunkeln durften wir leider nicht filmen oder verraten (er hat ja einen Ruf zu verlieren) 😉.

Ursprung im Hip Hop

Als Sohn portugiesischer Eltern wurde DJ Radikal 1974 in Paris geboren. Seine Wurzeln liegen im Hip Hop, für das er eine große Leidenschaft besitzt. 1997 wanderte Radikal in den Süden Portugals aus, um den Spuren seiner Wurzeln nach zu gehen. Als DJ, Produzent und Konzertveranstalter machte er sich einen Namen in der Hip Hop Szene. Daher auch sein Künstlername „Radikal“, inspiriert durch die französische Hip-Hop Zeitschrift „Radikal“.

Kizomba, Kuduro und Semba entdeckte er in Portugal durch Freunde, die ihn in die afrikanischen Clubs mitnahmen. Er war mit einer angolanischen Frau zusammen und hörte nun tagtäglich Kizombamusik. Sein Freundeskreis besteht überwiegend aus Angolanern und Cap Verdianern, was ihm half, nicht nur die portugiesischen sondern auch die kreolischen Texte der Kizomba Songs zu verstehen.

Rückkehr nach Frankreich

2013 als er nach Paris zurückkehrte war Kizomba in Frankreich noch relativ neu und einseitig -sein Ansporn Kizomba zu mixen und aufzulegen. Seitdem ist Radikal aus der Kizombaszene nicht mehr weg zu denken. Ein jeder hat mindestens ein Radikal Song in seinem Repertoire.

Er ist kein hauptberuflicher DJ, dennoch ist es eine sehr zeitintensive Beschäftigung. Es gibt nicht nur die Zeit hinter dem DJ Pult. Neue Musik muss ausgesucht, neue Mixes erstellt und publiziert werden und das alles in hoher Qualität. Mehrere Stunden täglich investiert er hierfür.

Kritisches der DJ Szene

Etwas kritisch sieht er die derzeitige Entwicklung der Szene. Viele „neue“ DJs legen kostenfrei oder für einen Hungerlohn auf, um bekannt zu werden, kostenfrei zu reisen oder um „gesehen“ zu werden. Dies führt zu einem Preisverfall. Der Aufwand steht damit nicht mehr in Relation zur Entlohnung, insbesondere, wenn Wert auf Qualität gelegt wird. Es muss ein Gleichgewicht herrschen zwischen der Leidenschaft Kizomba und dem Business.

Auch die Zahlungsmoral lasse oftmals zu wünschen übrig. Manche Veranstalter großer Festivals (mit hohen Ticketpreisen und Fokus auf Masse), möchten am liebsten nichts oder nur wenig bezahlen und die Veranstalter  kleiner Events sind bereit zu bezahlen und nehmen aber selbst wenig ein.

„Ich kann mich durch meine Arbeit sehr wohl aus der Masse hervorheben“ so Radikal, vor allem durch seine Mixes, Überraschungen und Neuheiten, die er immer wieder präsentiert. Seine Musik wählt er ganz nach Bauchgefühl und eigenem Gusto aus. Selbstverständlich achtet er darauf, was die Gäste möchten. Aber wenn ein Lied keine Emotionen bei ihm auslöst, spielt er es auch nicht. „Die persönliche Leidenschaft muss rüberkommen.“

Entwicklung der Musik

Nach dem Start des Kizomba in Angola in den 90er Jahren, kamen viele Einflüsse aus Cap Verde und einiges wurde auf Kreol gesungen. Lange Zeit galt es in Portugal als „die Musik der Schwarzen“. Erst mit dem ersten portugiesisch produzierten Album startete der Boom und weiße Sänger folgten. Kizomba schwappte nach Paris über. Bis dahin gab es keine Mixes, kein Urban Kiz und kaum Lehrer oder DJs. Das alles entstand erst in den letzten Jahren mit Startpunkt Frankreich und inzwischen ganz Europa. Dies sei auch notwendig, um überleben zu können. „Die Leute wollen einfach immer neuen Input.“

Was letztendlich gefällt ist Geschmackssache. Die Kizomba Entwicklung sieht er positiv und weiterhin interessant und vielseitig. Es gibt schon jetzt viele neue Stile und kreative Neukreationen. Die Ausbreitung nach Asien und Lateinamerika wächst und dadurch wird es weiterhin Neuheiten und Weiterentwicklungen geben.

Radikal: offen und sympathisch, ein Mann, der auch mal etwas kritisch sieht und ausspricht. Nebst aller Kizombathemen, fanden wir auch einige persönliche Details über DJ Radikal raus und finden, dass er eine Bereicherung für die Kizomba Szene ist.

Ein Interview von Eva Fischer