Im Gespräch mit Stone’s aus Bremen

Kizomba Events sprießen wie frische Frühlingsblumen aus dem Boden. Insbesondere Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland führen die Liste an. 2019 werden voraussichtlich mehr als 300 Festivals in Europa veranstaltet. Einzelne Partys sind schon nicht mehr zählbar. Was oft vermisst wird, ist die Einhaltung gewisser Veranstaltungsregeln und auch Begrifflichkeiten. Nicht selten wird eine Veranstaltung als Festival bezeichnet, obwohl es kaum dessen Strukturen aufweist. Bootcamps werden ausgewiesen, stellen sich jedoch als normalen Workshop heraus. Daher sind viele Veranstaltungsbezeichnungen irreführend und die Enttäuschung der Teilnehmer womöglich groß. KizzMag hat in Kooperation mit Stone’s aus Bremen über die Begrifflichkeiten diskutiert und eine Übersicht hierüber erstellt. Stone’s ist seit vielen Jahren Trainer und weltweit auf Festivals unterwegs. Als Tanzpartner von Sabine aus Kassel ist er auch in die Organisation der Xmas Gala Kassel involviert und kann auf tiefgreifende Erfahrungswerte zurückgreifen und hat uns seine Meinung als Tänzer mitgeteilt.

Stone’s Rock (Bremen)

„Es gibt Veranstaltungsregeln. Ich finde es schade, dass Begriffsbedeutungen von vielen Veranstaltern vernachlässigt werden, respektive nicht ausreichend mit dem Thema auseinandersetzen. Viele Organisatoren veranstalten Events und bezeichnen oder kategorisieren diese falsch, was zu einer schlechten Transparenz bei potentiellen Teilnehmern führt“, so Stone’s.

„Begriffe haben EINE Bedeutung. Wo kommen wir hin, wenn wir sie ignorieren? Wir alle erwarten Qualität und als Veranstalter müssen wir uns über die jeweiligen Veranstaltungskategorien kundig machen, um diese Qualität bieten zu können“, führt Stone’s weiter aus.

Allgemeine Definition „Veranstaltung“:

Allgemein ist es ein Ereignis, eine Ausführung, eine Feier, ein Ereignis oder eine Ausstellung, oftmals im sportlichen oder kulturellen Bereich. Außerdem ist es eine Zusammenkunft von Menschen an einem bestimmten Ort. Zu unterscheiden sind verschiedene Veranstaltungskategorien wie bspw. Übungsabend, Party, Workshop, Bootcamp, Gala oder Festival.

Spezielle Eventdefinitionen im Tanzbereich:

ÜBUNGSABEND

Oftmals veranstaltet von Tanzschulen und Tanzlehrern, um eine Übungsmöglichkeit für Schüler zu bieten. Ein kleiner Tanzkreis, der ohne großes Programm durchgeführt wird. Ein Übungsabend dauert meistens 2-4 Stunden.

PARTY

Gezieltes Treffen von Teilnehmern. Manchmal ein gezieltes Publikum. ZB: Tanzparty, Ü30 Party etc. Inhalt besteht im Wesentlichen aus Tanzen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine einzelne Party handelt, die nur einmal veranstaltet wird, oder um wiederkehrende Partys, z.B. monatliche Tanzpartys zu einem bestimmten Datum.

Eine GROßE Party hat lediglich mehr Personen, am Veranstaltungsinhalt ändert sich nichts.

WORKSHOP

Eine Trainingseinheit. Es findet generell in einem Raum mit deutlich weniger Personen als auf einer Party statt. Hier beschäftigen sich die angemeldeten Teilnehmer theoretisch und praktisch mit einem  bestimmten Thema. Der Workshop wird durch einen Trainer oder Leiter begleitet.

BOOTCAMP

Ähnelt einem WORKSHOP,  jedoch noch intensiver und anstrengender.  Ein Bootcamp dauert auch länger (Stunden oder Tage) als ein Workshop, behandelt intensiv ein ausgewähltes Thema und erfordert mehr Disziplin. Der Begriff kommt ursprünglich aus dem militärischen Bereich.

TANZWOCHENENDE

Eine Veranstaltung, deren Ziel es ist am Wochenende vorrangig zu tanzen. Es ist eine Party, die sich über das Wochenende erstreckt. Das Wochenende kann je nach Geschmack mit anderen Aktivitäten  gemixt werden (Workshops, Aufführungen, etc.), jedoch steht das Social Tanzen im Vordergrund.

GALA

Eine Gala ist bereits eine Nummer größer und stellt eine Veranstaltung für einen besonderen Anlass dar. Somit ist eine Gala keine alltägliche Veranstaltung, sondern ein Ereignis, um eine besondere „Feier“ zu zelebrieren. Eine Gala dauert oftmals einen Tag, kann sich aber auch über mehrere Tage ziehen. Es ist eine edle/elegante Veranstaltung, die für ein spezielles Publikum gedacht ist. Bei einer Gala wird eine festliche bzw. elegante Bekleidung erwartet. Bei einer Tanzgala werden meist diverse künstlerische Performances angeboten durch professionelle oder sehr erfahrene Tänzer/Künstler.

Die Tanz- Musik- Location-Qualität und somit die Atmosphäre des Events ist deutlich höher, als auf den bisher genannten Veranstaltungen. Eine Gala benötigt nicht unbedingt mehr Gäste, als auf einem Tanz Wochenende, jedoch birgt eine Gala und somit die Gäste und die ganze Veranstaltung  ein gewisses Prestige und Klasse. Das Publikum ist national und international. Dies erfordert daher auch passende Rahmenbedingungen wie Hotels, Catering-Firmen etc., die qualitativ zur Gala passen.

FESTIVAL

Eine mehrtätige Veranstaltung, bei der etwas Spezielles zelebriert wird.  Ein Festival ist meist wiederkehrend und wird einmal pro Jahr veranstaltet. Die Planung erstreckt sich oftmals über ein ganzes Jahr. Ein Festival ist internationaler als alle anderen Veranstaltungen. Lehrer und Deejays sind zum großen Anteil aus verschiedenen Ländern und auch die Gäste sind bei großen Festivals internationaler geprägt.

Ein Festival hat meistens mehr Gäste als alle anderen Veranstaltungen und fängt bei 200 Personen an und kann bis zu mehrere Tausend Gäste wachsen. Prestige steht hier nicht im Vordergrund, mehr die Professionalität des ganzen Events und der gebuchten Künstler. Das Unterrichtsprogramm ist groß und vor allem vielfältig. Festivals werden auch gerne als Austragungsort für Wettbewerbe genutzt.

Ein Festival stellt auch eine logistische Herausforderung dar, unter anderem müssen Künstler und Gäste bewirtet werden, Shuttle Services organisiert und das Programm perfekt geplant sein, um einen reibungslosen Ablauf zu gewähren. Ein Festival bietet diverse Aktivitäten wie Workshops, Bootcamps, Master Classes oder künstlerische Performances wie beispielsweise Shows. Die eingeladen Künstler müssen renommierte Persönlichkeiten sein und Charisma besitzen. Das macht das Festival speziell.

Den Teilnehmern sollte ein entsprechender Service geboten werden wie ein bequemer Ticketkauf, Hotelarrangements, Anfahrts- und Parkplatzhinweise, Shuttle-Service Hotel – Location und vieles mehr. Als Randangebot für Teilnehmer werden Einkaufsmöglichkeiten für beispielsweise Tanzbekleidung oder Tanzschuhe organisiert.

Fazit

Im Bereich Veranstaltungen gibt es eine Vielzahl an Begrifflichkeiten, die insbesondere von Veranstaltern oftmals vernachlässigt werden. Irreführende Veranstaltungsbeschreibungen können daher zu Misserfolg und vor allem Missstimmung bei den Teilnehmern führen.

Events lassen sich in verschiedene Kategorien gliedern und wurden obenstehend beschrieben. Dadurch soll die Sensibilität für diese Thematik wachsen und Veranstalter bereits vor der Veröffentlichung von Events eine passende Kategorisierung finden und diese entsprechend kommunizieren.

Wir danken Stone’s für seinen Input.

Die Ergebnisse unserer ersten Online-Umfrage zum Thema Festivals sind ausgewertet. In diesem Artikel möchten wir euch einen Teil der Resultate aufzeigen. Als Sieger gehen ganz klar eine passende Location sowie eine gute Balance zwischen Damen und Herren hervor. Welche Faktoren auch weit vorne liegen und welche überraschend hinten liegen, erfahrt ihr in diesem Bericht.

Daten & Fakten zu den Teilnehmern

298 Personen nahmen an der Online-Umfrage teil. Abgefragt wurde jeweils das Geschlecht, das Tanzlevel, welche Festivalgröße bevorzugt wird, welche Priorisierung bzgl. des Festivalinhaltes gelegt wird und wie viele Festivals pro Jahr besucht werden. Darüber hinaus konnte jeder Teilnehmer fünf von 12 möglichen Merkmalen auswählen, die auf Festivals am wichtigsten für sie sind:

  • festival size
  • ticket price
  • popularity and quality of the teachers
  • popularity and quality of the DJs
  • a wide range of workshops (different styles, levels)
  • presence of taxi dancers
  • shows
  • social dance
  • a nice and suitable location (ambience, quality of dance floor, parking possibilities etc.)
  • balance men/women
  • Internationality (teachers, DJs, guests)
  • all in one service (accommodation deals, catering service, shuttles, etc.)

Aufteilung der Geschlechter und nach Tanzlevel

Die 298 Teilnehmer verteilen sich auf 172 Frauen und 126 Männer. 7 Personen schätzten sich als Beginner/Improver ein, 91 Personen als Intermediate, 166 Personen als Advanced und 34 Personen als Master/Teacher.  Von 298 Teilnehmern nehmen 118 an bis zu fünf Festivals pro Jahr teil, 107 besuchen jährlich zwischen fünf und zehn Festivals und 73 Personen besuchen mehr als zehn pro Jahr.

Priorität des Festivalinhalt

148 Teilnehmer (50%) gaben an, dass Ihnen sowohl das Tanzen als auch Workshops wichtig sind. 135 Teilnehmer (starke 45%) legen ihren Schwerpunkt rein auf das Tanzen selbst. Nur 15 Personen (5%) legen hauptsächlich Wert auf Workshops und Übungsmöglichkeit. Im Trend liegen demnach sowohl reine Tanzfestivals, ohne Workshopprogramm, als auch Festivals mit Workshopprogramm.

Mittelgroße und kleine Festivals liegen im Trend

Priorität der Festivalgröße

Auch wenn große Festivals mit mehr als 1000 Teilnehmern sehr bekannt und guten Zulauf haben,  stehen dennoch mittlere (250-750) und kleine (bis 250) Festivals hoch im Kurs.  Eine persönlichere Atmosphäre gehört zu den Hauptgründen, ebenso wie die leichter zu erreichende Balance zwischen Damen und Herren, die bei großen Events nur schwer zu erreichen ist.

Anzeige

Location und Balance liegen vorn

Bei der Priorisierung der Festival Eigenschaften liegen eine schöne Location sowie die Balance zwischen Damen und Herren an der Spitze. Eine schöne und passende Location mit Ambiente und passendem Boden gehört für 68% aller Befragten zu den wichtigsten Merkmalen eines Festivals. Dicht gefolgt mit 65% ist eine gute Balance wichtig. Der in den letzten Jahren immer gefragtere Social Dance ist überraschenderweise auf Platz drei, noch vor der Popularität und Qualität der Deejays. Dies ist ein klares Zeichen für die Ausweitung des Social Dance, was in den letzten zwei Jahren bereits vermehrt zu beobachten ist.

Gesamtauswertung

Der Ticketpreis findet sich erst auf Platz fünf wieder. Nur 50% geben dies als eines der wichtigsten Merkmale für eine Entscheidungsfindung an und zeigen, dass mehr Wert auf andere Eigenschaften gelegt wird. 44% aller Befragten legen großen Wert auf die gebuchten Tanzlehrer und betrifft in erster Linie diejenigen Teilnehmer, die Workshops für wichtig empfinden.

Nicht zu unterschätzen ist der Service rund um ein Festival. Unterkünfte, Shuttle-Service oder  Komplettpakete werden von 33% der Befragten als sehr wichtig empfunden. Insbesondere von Personen, die mehr als fünf Festivals pro Jahr besuchen und sich nicht mit der Rundumplanung beschäftigen möchten. Je mehr Festivals besucht werden, desto einfacher soll die Organisation der Festivalreise sein. Ein Tipp für Veranstalter könnten unter anderem Komplettpakete sein, die sowohl Ticket als auch Hotelunterkunft und ggfs. Shuttle-Service beinhalten. Der Mindestservice sollte die Nennung von Hotels in Locationnähe sein sowie Kontaktdaten dieser. Teilnehmer, die alles selbst recherchieren und organisieren müssen, könnten unter Umständen wegbrechen.

Bei rund 20% liegen die Festival Größe, die Vielfalt an Workshops und überraschend weit hinten die Internationalität der Veranstaltung sowie die Präsenz von Taxitänzern. Da die Balance im Allgemeinen als sehr wichtig empfunden wird, überrascht die Tatsache, dass die Anwesenheit von Taxitänzern als nicht so wichtig erachtet wird. Das Ergebnis zeigt, dass die Teilnehmer zwar eine gute Balance möchten, aber nicht unbedingt durch den Einsatz von „zu vielen“ Taxitänzern.

Mit nicht einmal einer Stimme finden sich die Shows auf dem letzten Platz ein. Auch wenn die Darbietungen oftmals eine tolle Ergänzung sind und eine Möglichkeit der Künstler, sich und ihr Können zu präsentieren, so ist es für keinen Teilnehmer unter den Top 5 Prioritäten eines Festivals. Insbesondere, da die Teilnehmer es bevorzugen selbst zu tanzen.  Auf vielen Festivals ist dieser Trend bereits zu erkennen und die Showeinlagen verkürzen sich drastisch oder werden überhaupt nicht mehr angeboten.

Priorisierung der jeweiligen Geschlechter

Vergleich Frauen und Männer Prioritäten

Der größte Unterscheid zwischen Frauen und Männern liegt logischerweise in der Balance. Für Frauen ist die Balance mit 85% das wichtigste Kriterium bei einem Festival, gefolgt von der Location. Aber auch bei Männern ist die Balance mit 38% immerhin auf Platz sechs und zeigt, dass auch sie eine entspannte Atmosphäre genießen, anstatt im Akkord mit den wartenden Damen zu tanzen. Ebenfalls zeigt sich, dass die Frauen zwar mehr Wert auf die Präsenz von Taxitänzern legen, jedoch längst nicht so wichtig ist wie andere Merkmale. Mit gerade mal 32% liegt die Präsenz von Taxitänzern bei Damen lediglich vor den Shows, der Festivalgröße, der Workshopvielfalt sowie der Internationalität.

Priorisierung Männer

Priorisierung Frauen

Männern hingegen ist mit 78% eine gute Location auf Platz eins, gefolgt von topp Deejays und Social Dance Möglichkeiten.

Für Veranstalter bedeutet dies, vermehrt auf eine gute Balance zu achten, ohne dabei allzu viele Taxitänzer einzusetzen. Gerade diese Aufgabe ist nicht einfach und wird schwieriger, je größer die Veranstaltung ist. Außerdem bekommt der Social Dance einen immer größeren Stellenwert. Veranstaltungen, die bisher noch kein Social Dance anbieten, sollten sich diese Möglichkeit für zukünftige Events genauer ansehen.

Social Dance bekommt hohen Stellenwert

Insbesondere bei den Teilnehmern, deren Priorität das Tanzen selbst ist, liegt das Social Dance ganz weit oben. Vermehrt melden Veranstalter, dass Gäste lediglich zum Social Dance kommen möchten. Social Dance liegt bei dieser Gruppe gleichauf mit der Location. Wichtigste Eigenschaft für die Frauen ist abermals die Balance, was logisch ist, da sie nicht am Rand lange auf einen Tanzpartner warten möchten. Für die reinen Tänzer ist entsprechend auch die Deejay Auswahl wichtig. Veranstalter, die ihren Schwerpunkt inhaltlich auf das Tanzen legen, sollten bei der Deejay Auswahl auf Popularität und Qualität Wert legen und möglichst lange Social Dance Möglichkeiten schaffen.

Gruppenauswertung: Priorität Tanzen

Betrachten wir hingegen die Gruppe, die sowohl Wert auf das Tanzen als auch auf Workshops legt, liegen gut ausgewählte Tanzlehrer weit vorne, dafür wird die Social Dance Möglichkeit in dieser Gruppe nicht ganz so hoch bewertet. Dafür wird mehr Gewicht auf eine breite Auswahl an Workshops gelegt. Auch in dieser Gruppe legen die Frauen viel Wert auf eine gute Balance, unter anderem, um in den Workshops nicht ohne Trainingspartner teilnehmen zu müssen. Gegebenenfalls können Veranstalter hier mit Gastherren arbeiten, die bei den Workshops aushelfen.

Gruppenauswertung: Priorität Tanzen und Workshops

Fazit

Wer ein topp Festival organisieren möchte, egal ob klein, mittel oder groß, kann mit einer schönen und passenden Location und einer guten Balance zwischen Damen und Herren punkten und sich damit eventuell von den vielen Wettbewerbern abheben. Wichtig ist, dass die Balance nicht unbedingt durch Taxitänzer ausgeglichen werden muss, was Veranstalter jedoch vor eine Herausforderung stellen wird. Eine Alternative könnten Gastherren sein, die dann auch bei Workshops aushelfen müssen. Auch die Qualität der Deejays und Lehrer ist potentiellen Teilnehmern wichtiger als der Ticketpreis. Ein absolutes Muss ist inzwischen das Angebot eines Social Dance. Viele sprechen davon, dass ihnen ein Social Dance inzwischen wichtiger ist als die Party selbst.

Die Internationalität ist überraschendweise nicht so hoch priorisiert wie erwartet. Einen weiteren Pluspunkt können sich Veranstalter mit einem Rundumservice verschaffen. Komplettpakete, Hoteldeals, Shuttle-Services und ähnliches wird sehr gerne angenommen, insbesondere von Teilnehmern, die viele Festivals besuchen und wenig Aufwand mit der Reiseorganisation möchten.

Vollständige Auswertung

Eine vollständige Auswertung mit tiefergehenden Analysen wird im Juni 2019 für Veranstalter zur Verfügung stehen. Dabei werden die einzelnen Bereiche detailliert ausgewertet, analysiert und Optimierungsvorschläge für Veranstalter erörtert. Darüber hinaus werden Ergänzungen aus verschiedenen persönlichen Befragungen ergänzt. Vorbestellungen für die Umfrageauswertung können an info@kizzmag.com gesendet werden.

Vielen Dank an Mariette für Deine Unterstützung bei diesem Artikel.

Immer mehr Festivals entstehen in Europa und auf der ganzen Welt. Wir sind neugierig und interessiert an eurer Meinung.

Bitte helft uns herauszufinden, welche Festival Eigenschaften für dich am wichtigsten sind.

Nur 6 Fragen – nicht mehr als 3 Minuten deiner Zeit. Danke für deinen Support.

 

Taxitänzer – was ist das? Meist männliche, erfahrene Tänzer, die das Verhältnis zwischen Tänzer und Tänzerinnen ausgleichen. Außerdem kümmern sie sich um Damen, die weniger aufgefordert oder noch Anfängerinnen sind, damit alle einen schönen Tanzabend erleben. Eine gute Sache. Aber wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten. Wir haben uns kritische Gedanken dazu gemacht.

Die Aufgaben der Taxitänzer

Kerngedanke des Taxitänzers: Ausgleich zwischen männlichen und weiblichen Tänzern. Gewöhnlich gibt es mehr Damen als Herren auf Tanzveranstaltungen. Im Gegensatz zum Salsa, wo durchschnittlich nach 3-4 Liedern zwischen Tanzpartnern gewechselt wird und somit automatisch ein reger Wechsel stattfindet, kann es beim ruhigeren Kizomba zu weitaus längeren Tanzeinheiten kommen. Mit demselben Partner eine halbe Stunde oder länger zu tanzen ist keine Seltenheit und lange Wartezeiten der Damen sind die Folge.

Des Weiteren kümmern sich Taxitänzer um Damen, die selten aufgefordert werden oder noch am Anfang stehen. Diese Damen sollen schließlich ebenfalls tanzen. Im Normalfall wechseln Taxitänzer nach 3-4 Liedern und fordern die nächste Dame auf.

Als Salär erhalten die Taxitänzer meist freien Eintritt zur Veranstaltung und Freigetränke. Verpflegung und Übernachtungs- sowie Fahrtkosten seltener, eher bei größeren Events. Eine Win-Win Situation. So weit so gut und insgesamt eine gute Idee, um für alle ein tolles Tanzerlebnis zu schaffen.

Anzeige

Die Entwicklung der Taxitänzer

Natürlich freuen wir uns riesig, wenn wir auf Partys und Festivals das Glück haben, Taxitänzer zu erwischen. Sie sind üblicherweise hervorragende Tänzer und halten selbst erfahrene Tänzerinnen auf Trab.

Jedoch nimmt die Anzahl der Taxitänzer auf Events stetig zu und bei vielen Festivals sind sie als wichtiges Marketinginstrument nicht mehr wegzudenken. Werbeslogans wie „mehr als 50 Taxitänzer“ sind keine Seltenheit mehr. Jedoch ertönen kritische Stimmen. Wir haben nachgefragt, sowohl bei Damen als auch Herren und sind auf eine unschöne Entwicklung gestoßen. Diese könnte dazu führen, dass die Szene noch weiter „damenlastig“ wächst. Warum ist das so?

„Nicht-Taxitänzer“ werden ignoriert

Problematisch wird es, wenn Damen ihren Fokus ausschließlich auf Taxitänzer richten. Tänzerinnen lehnen Aufforderungen eines „normalen“ Tänzers vermehrt ab und warten lieber am Rand auf den nächsten freien Taxitänzer. Darunter auch viele gute Tänzerinnen, die normalerweise kein Problem haben aufgefordert zu werden. Der Anspruch gute Tänzer zu „erwischen“ wächst.

Wohin führt das? Insbesondere bei Veranstaltungen mit vielen Taxitänzern höre ich diverse Aussagen wie: „Da brauch ich nicht hin, bei den vielen Taxitänzern tanzt eh keine mit mir“. „Ich bezahle doch nicht, damit sich Taxitänzer die ganzen Tänzerinnen abgreifen und ich stehe dann am Rand!“, „Sie hat mir einen Korb gegeben und auf den nächsten Taxitänzer gewartet“. Ablehnungen mag niemand. Wenn Tänzer Körbe bekommen, weil sie keine Taxitänzer sind, werden sie bald keine Dame mehr auffordern. Männer, die keine Taxitänzer sind, aber gut tanzen bleiben dann weg.

Der Gap zwischen Damen und Herren wird noch größer

Foto: KizzMag

Zwangsläufige Folge: Der Gap zwischen Damen und Herren wächst weiter. Um diese Lücke zu füllen werden wiederum noch mehr Taxitänzer benötigt.

Auch qualitativ vergrößert sich der Gap. Frauen entwickeln sich in der Regel schneller als der Mann, schließlich hat der Mann auf der Tanzfläche einige Aufgaben mehr als die Dame. Tänzerinnen, die vermehrt mit Taxitänzern tanzen werden extrem schnell auf ein hohes Tanzniveau geführt. Entgegengesetzt geht es beim Mann immer langsamer, da ihm die Übung mit besagten Damen fehlt.

Taxitänzer müssen finanziert werden

Auch in finanzieller Hinsicht stößt die Thematik auf Unmut. Männer, die Geld für ein Festival oder eine Party ausgeben und dann rege Körbe kassieren, werden vor den Kopf gestoßen. Schließlich finanzieren sie die Taxitänzer mit. Wer bezahlt schon gerne für Events, damit Taxitänzer „kostenlos“ mit den guten Damen tanzen und selbst steht „Mann“ dann am Rand?! Letztendlich geht die Tendenz dahin, dass Frauen Männer fürs Tanzen mit Ihnen bezahlen. Die Frage ist – möchten wir das?

Nicht alle Taxis halten sich an die Spielregeln

Das Folgende gilt selbstverständlich nicht für alle! Einzelne Charaktere nutzen die Position auch gerne aus, um einfach kostenfrei Events zu besuchen. Oftmals werden auch nur die jungen, hübschen Supertänzerinnen aufgefordert und verbringen dann auch gut und gerne mal mehr als eine Stunde auf der Tanzfläche mit derselben Person. Dies ist aber nicht Sinn und Zweck eines Taxitänzers. Wer so auswählen möchte, sollte sich das Ticket kaufen und das Event als normaler Teilnehmer besuchen. Bei finanzierten Taxitänzern hat man eine andere Erwartungshaltung. Leider ist dies insbesondere bei Großveranstaltungen schwer zu kontrollieren. Die Kritik im Nachhinein schadet sowohl dem Event und Organisator als auch dem Ruf des Taxitänzers selbst.

Der Taxitänzer Job ist anstrengend

Insbesondere auf Großevents mit hohem Frauenüberschuss ist der Taxitänzerjob sehr anstrengend. Ich habe schon erlebt, dass Taxitänzer 7 Stunden lang durchtanzen mussten, da man ihnen kaum eine Verschnaufpause gönnte. Darüber hinaus quält das schlechte Gewissen, wenn Frauen teilweise dreireihig in einer Warteschlange stehen. Die Jungs sind in wenigen Monaten ausgebrannt und spulen ihr Programm nur noch wie Maschinen runter. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Ob finanziert oder nicht, das Tanzen sollte allen Spaß machen.


Das Fehlen weiblicher Taxitänzer

Natürlich wird der Schrei laut, wenn man nach weiblichen Taxis fragt. Schließlich gibt es doch ohnehin einen Frauenüberschuss. Aber man darf nicht vergessen, es gibt auch Tänzer, die nicht das Selbstvertrauen haben eine tolle Tänzerin aufzufordern. Oder Tänzer, die noch kein so hohes Niveau haben, sich aber mit guten Tänzerinnen verbessern möchten. Ich habe schon einige Tänzer gesprochen, die sich mehr weibliche Taxis wünschen. Davon abgesehen, sehen es viele Männer als ungerecht an, dass ausschließlich für Damen tolle Tänzer organisiert werden.

Was muss passieren?

Ein alter Spruch sagt: „Alles in Maßen“! Die Flut an Taxitänzern nimmt zu große Ausmaße an. Wenn ein gutes Festival nur noch erfolgreich sein kann, wenn mindestens 50 oder 100 Taxitänzer geboten werden, dann läuft die Szene in eine falsche Richtung. Taxitänzer sind eine tolle Sache und sollte es weiterhin geben – aber in Maßen.

Organisatoren sollten sich die Größe ihres Events ansehen und nach Möglichkeit das Verhältnis zwischen Damen und Herren im Vorverkauf im Auge behalten. Entsprechend sollte dann mit der Anzahl der zu buchenden Taxitänzer umgegangen werden.

Die Motivation für männliche Tänzer sollte gesteigert und weibliche Taxitänzerinnen eingesetzt werden. Weibliche Taxis sind im Moment noch eher eine Seltenheit.

Ein Appell an alle Frauen – tanzt auch mit den „normalen Tänzern“! Vergesst nicht, auch ihr wart mal Anfängerinnen. Es gibt viele gute „normale“ Tänzer und vor allem gibt es viele, die sehr gut werden könnten, wenn man ihnen die Chance dazu gibt. Wie wird man besser? Durch Übung! Schließlich wollen wir mehr Männer in der Szene und nicht diejenigen verlieren, die Potential haben.

Puscht und motiviert die männlichen Tänzer, vor allem, wenn sie noch unerfahren sind. Sagt ihnen, was euch an Führung fehlt und was sich nicht gut anfühlt. Von alleine kann er es nicht wissen. Tänzer sind auf Feedback angewiesen, nicht jeder hat es automatisch im Blut. Helft ihnen besser zu werden, dann haben wir auf lange Sicht alle etwas davon.

Fazit

Der Grundgedanke des „Taxitänzers“ ist gut und notwendig. Aber die Entwicklung von Taxitänzern läuft derzeit in eine falsche Richtung, die uns vor allem männliche Nachwuchstänzer kosten könnte. Um dies zu vermeiden müssen männliche Tänzer motiviert und gepuscht werden und einige weibliche Tänzerinnen sollten ihre Einstellung gegenüber normalen Tänzern überdenken. Nur so kann und wird die Szene wachsen und zwar auf beiden Seiten.