Kennengelernt bei einer Kizomba Reise nach Portugal Anfang Oktober war Björn als Teammitglied dabei und eine echte Bereicherung für die Gruppe. Björn ist Kizomba Pionier im hohen Norden Deutschlands, um genau zu sein in Kiel. Seine faszinierende Geschichte und seine Ansichten erfahrt ihr in unserem Report.

Die Liebe zum Kizomba und der Wunsch es zu verbreiten

Björn ist schon lange tanzbegeistert. 2011 besuchte er ein Bachata Festival in Hamburg. Aufgrund geringer Teilnehmerzahl wurde ein Kurs spontan umgestaltet: die Lehrerpaare sollten andere, unbekannte Tänze zeigen. Eines dieser Lehrerpaare waren Albir & Sara, die Kizomba Basics vorstellten. Björn war sofort Feuer und Flamme für diesen neuen Tanz.

In Norddeutschland wurde damals noch kein Kizomba getanzt und gelehrt. Björn war jedoch so in den Tanz verliebt, dass er sich regelmäßig mit Freunden, die auf dem Festival dabei waren, traf und die paar Schritte, die sie erlernt hatten, übte. Zu dieser Zeit wurden noch überwiegend peux-a-peux einzelne Kizomba Workshops auf anderen Festivals angeboten und so war er kurz darauf in München auf dem Bachatame-mucho Festival im Kizomba und Semba Workshop von Tony & Alena. Björn sprach Tony direkt an und so war der Grundstein für ihre weitere Kooperation gelegt. Daraus entstand eine Freundschaft.

Zurück in Kiel überzeugte er einen Salsa DJ, immer wieder 2-3 Kizomba Lieder zu spielen, damit er und seine Freunde Kizomba tanzen konnten. Ansonsten war die Tanzfläche leergefegt. Er versuchte immer wieder Kizomba in die Salsa Szene Kiels einzuflechten, was erst einmal auf wenig Begeisterung stieß. Doch steter Tropfen höhlt den Stein und nach einiger Zeit wurde aus Ablehnung Neugierde. Im Herbst 2012 bot er seinen ersten Kizomba Einführungskurs an – mit 40 Teilnehmern! Er selbst konnte nur die Basics und hat auch erst mal nur diese gelehrt.

Sein Ziel? Eine Kizomba Szene in Kiel aufzubauen! Sein Weg? Einen Kizomba Verein gründen! Darin hatte er schon Erfahrung, er hatte bereits einen Aikido Verein gegründet, eine Kampfkunst, die er seit 20 Jahren praktiziert und seit 10 Jahren unterrichtet. Durch den Verein bleibt er unabhängig. Es geht nicht um Profit, er lädt nur Künstler ein, die er persönlich kennengelernt hat und von denen er überzeugt ist. Sein Fokus liegt vor allem auf klassischem Kizomba. Für seine Workshops lädt er Künstler wie Kwenda Lima, Hélio Santos, Dasmara & Iolanda und natürlich Tony Gomes ein. Er selbst unterrichtet seitdem wöchentlich verschiedene Level unter anderem im Kieler Hochschulsport und in Flensburg. Unterstützt wurde er bei seinem Projekt vor allem von Tony, der ihm immer wieder Mut machte, seinen Traum weiter zu verfolgen.

Die spirituelle Ebene des Kizomba

Besonders die richtige Technik ist Björn wichtig, was weiches Führen und die Kontrolle des eigenen Gleichgewichts bedeutet. Im Tanz „eins werden“ – auf den Partner achten. Björn denkt bei der Führung mehr aus dem Ellbogen, statt aus den Händen.

Björn spürte aber, dass es über das Führen und die Musik hinaus, eine weitere Ebene gibt. Niemand anderes schien das zu verstehen – bis er ein Interview mit Kwenda Lima sah, der genau darüber sprach. Verrückt wie er ist, kontaktierte er Kwenda kurzerhand und ist extra nach Lissabon geflogen, um ihn zu treffen. An seinem letzten Abend lud ihn Kwenda zu sich nach Hause ein. Er gab ihm Musik und endlich hatte Björn jemanden gefunden mit dem er über die tiefere Ebene, die spirituelle Seite des Kizomba sprechen konnte. „Es ist eine Art, sich selbst und wie man sich in dem Moment fühlt, auszudrücken und mit dem anderen zu teilen. Es ist eine Möglichkeit, im Tanz mit dem anderen eine echte Bindung aufzubauen und sich selbst und den anderen auf dieser Ebene tatsächlich wahrzunehmen und zu erfahren, dass wir alle Teil des einen großen Ganzen sind.“ rezitiert Björn aus dem Gespräch. Jeder, der Kwenda’s Kaizen Dance miterlebt hat, weiß, worum es geht. Björn fühlte sich von Kwenda in seinem Gefühl bestätigt und gestärkt und begann selbst, diese spirituelle und emotionale Seite in seinen Unterricht einfließen zu lassen.

Kizomba als aktive Friedensarbeit

Für Björn ist Kizomba viel mehr als Tanzen. Es kann aktive Friedensarbeit sein. Wir treten mit anderen Menschen in Kontakt und spüren auf einer menschlichen und spirituellen Ebene, dass wir am Ende alle EINS sind. Es fördert das Miteinander. „Ich kann nicht sagen, dass Frieden in Syrien herrschen sollte und dann selbst aggressiv anderen gegenüber sein. Frieden fängt in uns selbst an, dann mit unseren nächsten und irgendwann über die gesamte Gemeinschaft hinweg. Erst muss ich selbst in Balance sein, dann kann ich gemeinsam in Balance sein. Das ist auf Kizomba übertragbar. Sich durch sanfte Berührungen gemeinsam zu bewegen und ganz weich und liebevoll miteinander zu tanzen.“

Aus diesem Blickwinkel betrachtet respektiert Björn alle Formen und Entwicklungen des Tanzes. Alles ist toll und die Diskussionen darum sind überflüssig. Je nachdem, wie wir uns im Tanz ausdrücken, ist das Gefühl dabei und was wir dem Partner in dem Moment vermitteln anders. Die Frage ist immer, wie wir im Tanz miteinander in Kontakt treten.

Wie wir wirklich gut werden

Einklang und Harmonie während des Tanzens setzen stabile Grundlagen voraus. In unserer Gesellschaft sind wir leider immer weniger bereit in die Tiefe zu gehen. Die Leute kratzen oftmals nur an der Oberfläche, wollen Neues und möglichst viele Figuren. Sie vergessen jedoch, sich eine solide Basis und tiefes Verständnis zu schaffen. „Auch ein Baum muss erst mal Wurzeln schlagen, bevor ein Stamm, Äste, Blätter und Früchte entstehen. Schaffe dir Wurzeln, die Basis in dem, was du lernen möchtest. Lerne das Tanzen nicht nur mit deinem Körper, sondern auch mit deinem Geist und deinem ganzen Sein, statt gleich die Früchte ernten zu wollen, ohne die Wurzeln vorher geschaffen zu haben.“
Hier greift er auf sein Wissen aus dem Aikido zurück. Dort spricht man von „Sho Shin Sha“, was so viel bedeutet wie „bleibe im Geiste immer ein Anfänger“. Wir müssen 100.000 Wiederholungen machen, dann entsteht etwas. „Ich fühle mich immer wieder wie ein Anfänger. Ich entdecke immer wieder Neues. Man darf nie denken ‚das kann ich schon‘.“

Und was hat es mit dem Kaffee auf sich?

Hauptberuflich ist Björn seit 2 Jahren Barista bei der Kaffeerösterei Loppokaffeexpress (https://www.loppokaffeeexpress.de/) und verfolgt somit seine dritte Leidenschaft – Kaffee! Das Besondere an dieser Rösterei: die Chefs fahren persönlich in die Herkunftsländer, arbeiten direkt mit den Kaffeebauern vor Ort und zahlen faire Preise. Und auch hier finden wir eine Verbindung zum Kizomba: Bis zum Bürgerkrieg war Angola einer der größten Kaffeeproduzenten. Durch den Bürgerkrieg hat sich die Kaffeeindustrie auf andere Länder konzentriert. Der Berliner Entwicklungshilfeverein OIKOS (http://www.oikos-berlin.de/) hilft mit einem Projekt, die Kaffee-Produktion in Angola wiederaufzubauen und dort gemeinsam mit den lokalen Bauern Kaffee von hoher Qualität produzieren. Die Kieler Rösterei könnte sich vorstellen, dieses Projekt zu unterstützen und vielleicht gibt es in wenigen Jahren qualitativ hochwertigen Kaffee aus Angola.

Mir hat die Zusammenarbeit mit Björn in Portugal sehr viel Spaß gemacht. Seine Begeisterung und Durchhaltevermögen beim Aufbau der Kizomba Szene im Norden Deutschlands sowie seine Ansichten zum Tanz sind beeindruckend, einfach schön und regen zum Nachdenken an. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und Freude beim Tanzen, Kaffee rösten und Aikido

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